Es sollte ein gigantisches Spektakel werden, ein echter Thriller. Klimapolitiker und Klimaexperten aller Länder haben sich die allergrößte Mühe gegeben und rechtzeitig einen Medienwirbel ohnegleichen erzeugt. Sie haben die Computer zum Glühen gebracht, damit diese die Welt mit Horrorszenarien überfluteten. Doch alles hat nichts genutzt. Kaum hatte die groß angelegte Klima-Show in Lima begonnen, da begann das große Gähnen, endete abrupt das Medieninteresse und der Klimaorkan wurde ein säuselndes Lüftchen. Der Wind ist halt unberechenbar gemäß der uralten Erkenntnis: „Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!“
Die Klimakonferenz plätscherte dahin und was die herangeschafften 25 000 Klima-Claqueure wirklich in den 12 Tagen in Lima machten, das weiß kein Mensch. Hierüber wurde wohl Stillschweigen unter den Beteiligten vereinbart. Dies gilt auch für die Kosten des Politspektakels. Immerhin war es der inzwischen 20. Weltklima-Wanderzirkus, der ohne Ergebnis zu Ende ging. Alles begann 1995 in Berlin mit Angela Merkel als Klima-Dompteur. Sie delegierte diese Rolle an ihre Umweltministerin Barbara Hendricks, doch ohne Medienerfolg. Sie flog nur kurz ein und nach vier Minuten Redezeit, die jedem der 195 Staaten zugebilligt wurden, wieder ab. Ihr Umweltstaatssekretär Jochen Flachsbart dagegen war zur Anwesenheit verdonnert und stöhnte. „Ich bin nicht enttäuscht. Ich bin erschöpft.“
Womöglich rührte der Erschöpfungszustand daher, dass der Umweltstaatssekretär sich unverhofft und plötzlich einer Beichte unterziehen musste. Wer war der Hohepriester, der die Beichte abnahm? In einem so genannten „Beichtstuhlverfahren“ musste jeder Repräsentant der 195 Staaten „seine“ Klimasünden vor dem UN-Tribunal bekennen und Besserung schwören. Ob Deutschland die „Energiewende“ als größte Sünde gebeichtet und zur Verbesserung des sozialen Klimas Abhilfe versprochen hat? Darüber ist nichts verlautbart. Jedenfalls ging es auch um Geld, denn der Klingelbeutel mit 10 Milliarden US-Dollar muss bis zur Weihnachtszeit 2020 mit mindestens 100 Milliarden Dollar gefüllt sein, damit Friede herrsche und alle künftig bei dem großen Klima-Spiel weiter mitmachen. Den sündigen 195 Staaten wurde ein 37 Seiten umfassender Entwurf mitgegeben, damit diese in Ruhe zu Hause ihre Klimaschutzaufgaben erfüllen. Enthalten ist eine Liste mit UN-Klima-Wünschen, die allerdings völlig unverbindlich sind und eine Unmenge von Optionen enthalten. Unter dem Lichtschein des Weihnachtsbaums hoffen nun alle auf einen „ambitionierten Klimavertrag“, der alle Wünsche erfüllt und am 11. Dezember 2015 beim 21. UN-Weltklimagipfel in Paris abgesegnet werden kann. Doch ob die „Klimakatastrophe“, die seit 30 Jahren geduldig als Damoklesschwert an einem seidenen Faden über der „Welt“ hängt, noch solange wartet?
Zur Faszination von Gipfeltreffen
Wenn sich Staatsoberhäupter zu Gesprächen versammeln, dann werden diese Treffen seit geraumer Zeit bedeutungsschwer als „Gipfeltreffen“ bezeichnet. Dies ist doppeldeutig. Treffen diese sich auf einem Gipfel? Oder ist das Treffen die „Höhe des Gipfels“ wie das Überschreiten des Rubikons? Wie sollen 25 000 Menschen auf einem Gipfel einträchtig Platz finden an einem „runden Tisch“, als Metapher wie Symbol friedlichen Einigungswillens?
Doch schauen wir mal, was diese Wortakrobatik mit den „Gipfeltreffen“ kaschieren soll. Da treffen sich ständig wechselnde Staatsoberhäupter, begleitet von etlichen Aktenkofferträgern, die das „Wissen ihrer Herren“ von Konferenz zu Konferenz mittragen und, wenn Not am Mann ist, wie im Theater Souffleur spielen. Doch auch die Staatssekretäre oder Ministerialdirektoren sind „Politiker“ und geben bestenfalls das Wissen der unteren Fachebene weiter, ohne Gewähr und Garantie, dass sie deren Wissen verstanden haben. Dies ist zumindest der Eindruck, den die anwesenden Medienvertreter ihrem Publikum vermitteln, ohne dies zu wollen, denn auch sie haben von der Materie keine Ahnung. Das ist eine kuriose Situation in unserer modernen „Wissensgesellschaft“, über die nachzudenken es sich lohnt.
Dies tat der Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989), der letzte Inhaber des Kant-Lehrstuhls an der Universität Königsberg, die heute den Namen Kant-Universität trägt. Nobelpreisträger Lorenz analysierte und konkretisierte einen Tatbestand, den Beatrice Lorenz in ihrem Buch „ Konrad Lorenz – Denkwege“ 1992 wie folgt wiedergab: Auf der Ebene der psycho-sozialen Entwicklung des Menschen und seiner Kultur stellt sie (die Evolution) uns vor schwere Probleme. Die unvermeidliche Entwicklung kultureller Arbeitsteilung führt in allen menschlichen berufen, am schlimmsten in der Wissenschaft, unaufhaltsam zu fortschreitender Spezialisierung. Am Ende dieses Prozesses weiß der Spezialist, wie es in dem alten Witz so schön heißt, mehr und mehr über weniger und weniger, und schließlich weiß er alles über ein Nichts.“
Die Klimaexperten wie die Klimapolitiker scheinen am Ende dieses Prozesses angelangt. Sie wissen nichts über Nichts, sind aber fest davon überzeugt, alles über das Nichts zu wissen und auch das Nichts in eine beliebig lange Zukunft vorhersagen zu können. Um das Nichtwissen über das Nichts Klima zu kaschieren, sind sie Meister des Konjunktivs geworden und verschanzen sich hinter Modell- und Szenarien-Rechnungen, die auf nichts als spekulativen Hypothesen aufbauen. Auf solchen Scheinfundamenten kann man immer neue Klima-Gefahren konstruieren und immer neue Gründe für neue Gipfeltreffen finden. Wer das Glück hatte, an allen 20 „Gipfeln“ teilnehmen zu können, ist zwar nicht schlauer geworden, hat auch nichts dazu gelernt, aber er hat die Welt bereist und immer nur wohl gebettet von ihren schönen Seiten kennengelernt. Er hat zwar überall anderes Wetter erfahren und gespürt, doch gleichzeitig seinen Glauben an den „menschengemachten Klimawandel“ dabei ungemein gestärkt, der wiederum seinen Missionseifer angefeuert hat. Kritik wird schon lange nicht mehr zugelassen!
Ein Einfluss des zum „Klimagas“ deklarierten Kohlenstoffdioxids CO2 auf die Temperaturverteilung der Erde auf das Wetter wie das von ihm statistisch abgeleitete Klima kann mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden. Dieses Faktum haben die hochspezialisierten, aber im Sinne von Konrad Lorenz Nichts wissenden Klimaexperten in ihrer Blickverengung selbst bestätigt, indem sie die CO2-Werte vom ‚Mauna Loa‘ auf Hawaii für „ubiquitär“, also überall „gleich“ erklärten. Sie mögen in ihrem Hass auf das „Umweltgift“ CO2 fortfahren, doch indem sie als Ort für den 20. Weltklimagipfel Lima wählten und den Sommer suchten, haben sie nonverbal die Übermacht der Sonne als Energielieferant für alles Leben anerkannt.
Solange das als Wissen verkleidete Unwissen der Klimaexperten den „Zeitgeist“ dominiert, müssen die Klimapolitiker deren Unsinn akzeptieren, um ihre fachliche Inkompetenz zu verschleiern und ihrer Rolle als „Macher“ und „Weltretter“ gerecht zu werden. Politiker unterscheiden zu wenig den Zustand des „Sich-gut-informiert-Fühlens“ mit dem Zustand des „Gut-informiert-Seins“. Auf dieses Missverhältnis hat die Kommunikationsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann (1916-2010) wiederholt hingewiesen. Die Wissens-Illusion (illusion of knowledge) ist ein Massenphänomen, eine politische Verhaltenskonstante. Ändern Sie etwas daran!
Diplom-Meteorologe Dr. phil. Wolfgang Thüne
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