Ulrich Wickert

Dem Bürger als langjähriger “Mister Tagesthemen” für seriöse Nachrichten und danach als erfolgreicher Autor bekannt, wie z.B. u.a. das nebenstehende Werk als “Spiegel-Bestseller” zeigt, ist Ulrich Wickert jetzt auch ins Werbegeschäft eingestiegen. “Dämmen lohnt sich!”, lautet seine neue Nachricht, die sich aber bei näherer Betrachtung als umstrittene Propaganda für die Dämmlobby entpuppt.

Wickert wurde nämlich der Partner eines zu reinen Absatzzwecken für Dämmmaterial gegründeten Werbeclubs, der mit TV-Spots zur teuersten Werbezeit das Verpacken der Bestandsimmobilien schmackhaft machen will. Denn immer mehr Bürger sind aufgewacht und haben das Rechnen über den wirtschaftlichen Sinn solcher Dämm-Maßnahmen angefangen. Deshalb soll es die Werbung wieder richten.

Wie immer ist die Deutsche Energie-Agentur (dena) beim Dämm-Werbeclub mit ihrem Bemühen dabei, den deutschen Bürger zu einem lobenswerten Dämmer und Dichter zu erziehen. Nachdem inzwischen landauf und landab praktische Erfahrungen vorliegen, dass sich die nachträgliche Fassadendämmung nie in einem vertretbaren Zeitrahmen rechnet, sollen nun mit Brachialgewalt zur besten Tagesstunde wenigstens noch die bisher Unaufgeklärten verführt werden, ihr Geld in Plastikverpackungen zu investieren. Die Plastikkarte hat sich ja auch durchgesetzt!

Es spricht für die Macher des TV-Spots und Wickert, dass sie im Nebulösen mit ihrer Werbebotschaft “Dämmen lohnt sich!” bleiben. Die konkrete Aussage fehlt, für wen sich das Dämmen lohnt. Lohnt es sich für die Dämmstoffanbieter und die Handwerker oder für den zahlenden Bürger? Dass sich das für den zahlenden Bürger lohnt, wagen die TV-Spot-Verantwortlichen nicht zu behaupten, wohl darauf hoffend, dass sich unter Deutschlands TV-Konsumenten immer noch genügend gutgläubige Personen befinden, denen die Raffinesse solch einer rechtlich nicht angreifbaren unkonkreten Werbeaussage verschlossen bleibt.

Styropor wird derzeit noch nicht als Medikament verordnet, deshalb kann Wickert auch auf die Belehrung über die Nebenwirkungen einer Plastikverpackung verzichten. Der Beipackzettel würde auf fehlende Nachhaltigkeit, Brandgefahr von Styropor, Schimmelrisiko bei luftdichten Wohnungen, grüne Algen, Dämmungsrisse und damit höhere Wartungskosten gegenüber üblichem Mauerwerk sowie auf die ökologisch bedenkliche Entsorgung nach einem kürzeren Lebenszyklus hinweisen müssen.

War es Neugier oder Übermut bei Wickert, um auf den Titel eines seiner Bücher zurückzukommen, sich als Propagandist von der Dämmlobby anheuern zu lassen?
Der Aussage Wickerts “Dämmen lohnt sich” stellt sich der Berliner Ökonom Prof. Harald Simons mit seinem Forschungsinstitut “Empirica” entgegen, wie einem FAZ-Artikel zu diesem Thema zu entnehmen war: “Volkswirtschaftlich ist die energetische Sanierung ein Desaster, eine gigantische Fehlallokation von Ressourcen, rausgeworfenes Geld.”

Und dabei ist für den Bürger alles einfach. Ein Blick in die Heizkostenabrechnung sagt alles:

  • Kosten für die Warmwassererwärmung und die Heiznebenkosten abziehen.
  • Nur der Rest ist einer Energieeinsparung durch Dämmung zugänglich.
  • Kosten der Dämmung dagegenstellen und 9,35 € je qm im Jahr an erhöhter Wartung für das Dämmsystem dazurechnen und schon ergibt sich das Wirtschaftlichkeitsdesaster.
Ob Wickert das bekannte Desaster jetzt weglächeln kann, wird sich zeigen.
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