Im Vorfeld wurden zwar auch die Verbraucherschutzvereine wie Hausgeld-Vefrgelcih um ihre Stellungnahme für Änderung der EnEV gebeten. Wie so üblich, wurden aber die Bedenken der Bürger ignoriert und die Verordnung im Sinne von an geschäften interessierten Lobbyisten angefasst. Und das bringen deshalb die Änderungen der EnEV:
  1. Heizkessel, die über 30 Jahre mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoff betrieben wurden, sind außer Betrieb zu nehmen. Ausnahmen gelten für Niedrigtemperatur- und Brennwertkessel sowie für selbstnutzende Ein- und Zweifamilienhäuser.
  2. Neue Skala bei Energieausweisen reicht nur noch bis 250 kWh pro qm im Jahr und Ergänzung des bisherigen Verbrauchsbandes mit Energieeffizienzklassen von A+ bis H, ähnlich wie bei Waschmaschinen usw.
  3. Pflicht der Grundbesitzer und Vermieter, den Energieausweis an Erwerber und Mieter einer Wohnung zu übergeben und dies bereits bei der Besichtigung.
  4. Angabe der energetischen Kennwerte des Wohngebäudes (also nicht der Wohnung) bei Veräußerungs- und Vermietungsanzeigen der einzelnen Wohnung.
  5. Erweiterung der Aushangpflicht für Energieausweise für die Eigentümer von Gebäuden mit starkem Besucherverkehr, der auf behördlicher Nutzung beruht, ab 500 qm und ab Juli 2015 bereits ab 250 qm Nutzfläche.
  6. Einführung von Kontrollen der Energieausweise - stichprobenhaft.
  7. Senkung des Faktors für die primärenergetische Bewertung von Strom auf 2,4 u. ab 2016 auf 1,8.
  8. Organisation eines Kontrollsystems für Energieausweise und von Inspektionsberichten für Klimaanlagen.
  9. Die primärenergetischen Anforderungen an neu gebaute Wohn- und Nutzgebäude werden ab 1.1.2016 um 25% verschärft. Das bedeutet für die Gebäudehülle also noch dickere Dämmstoffe und mutmaßlich 3-fache Verglasungen und eine erhebliche Verteuerung von neuem Wohnraum.
  10. Anpassung des Ordnungswidrigkeiten-Kataloges an die Veränderungen.

Kommentar:

Es bleibt abzuwarten, wie lange sich der Bürger die weitere Gängelung durch den Gesetzgeber bis ins kleinste Detail seines Lebens noch gefallen lässt. Der überflüssige Energieausweis entwickelt sich inzwischen zu einem typischen Bürokratenmonster - absolut unbrauchbar für die einzelne Wohnung, die gekauft oder gemietet werden soll - aber trotzdem vorgeschrieben. Die Abmahn-Geier warten schon auf die fehlenden Angaben in den Anzeigen und Internetangeboten und bedanken sich schon heute beim Gesetzgeber für die satte Beute. Und erhebliche Bußgelder drohen ebenfalls getreu dem Motto: Der Bürger als willige Melkkuh des Gesetzgebers! Und das, obwohl jede Heizkostenabrechnung bereits automatisch und ohne Zusatzkosten für die einzelne Wohnung sowohl den Verbrauch der gesamten Wohnanlage, den Energieeinkaufspreis, die Energieart als auch den für den Käufer oder Mieter relevanten Verbrauch der speziellen Wohnung je nach Lage oder Heizungsanlage (Zweirohr- oder Einrohrheizung) zeigt.

Statt dessen hätte sich der Gesetzgeber zuerst um Vorgaben für Messgeräte bemühen sollen, die eine faire Verteilung der Heizkosten innerhalb einer Wohnanlage sicher stellen können. Denn wenn Gerichte, wie z.B. das Landgericht München I, der Meinung sind, dass bereits 20% Wärmeerfassung ausreicht, um zu einer vertretbaren Heizungsabrechnung zu kommen (also bis zu 80% unkontrolliert, unbezahlt und unbeeinflussbar an die Bewohner abgegeben werden dürfen), dann fragt man sich berechtigt, ob wir in Deutschland inzwischen ein großes Irrenhaus aufbauen und der Energieausweis eine der Eintrittskarten dafür darstellt.

Norbert Deul

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