Es gibt Sie noch - die Redakteure und Journalisten, die den Mut haben, offensichtliche Missstände in unserem Staat aufgreifen und diese zum Bestandteil ihrer Berichte in Medien zu machen - Leute, die keine Angst vor Unterlassungsklagen, Gegendarstellungen sowie Widerrufsverlangen haben. Und es gibt noch Verlage und Redaktionsleiter, die diesen mutigen Personen Platz für ihre wichtigen Berichte geben. Mit der Headline “Schäm dich, du Miethai!” auf der Titelseite des “BERLINER KURIERS” und ihren Folgeberichten über diesen Fall der Mieter-Vertreibung haben sich die Redakteure Böttcher und Schmalenbach den “Verbraucherschutz-Award” von Hausgeld-Vergleich e.V. verdient.

Es geht um einen Fall der Mieter-Vertreibung durch umfangreiche Modernisierungen, Beeinträchtigungen durch Umbauten und drastische Mietererhöhungen, wie er heute überall in den beliebten Großstädten geschehen. Wohnanlagen, die über Jahrzehnte von Mietern bewohnt, gepflegt und mit vorhandenen Mitteln instandgehalten und verschönt wurden, werden von den bisherigen Besitzern - teilweise finanzschwachen Kommunen oder Erben - an finanzkräftige Kapitalanleger, sog. Investoren, verkauft. Und die wollen Kohle machen und das möglichst schnell durch massive Mietenerhöhung, besser noch durch Umwandlung in teuere Eigentumswohnungen, für die Mietervertreibungen vorteilhaft sind.

“Modernisierung” ist da der Türöffner für solche fragwürdigen Geschäfte. Und das läuft in der Praxis stets nach bewährten Muster ab. Den bisherigen Mietern flattern Ankündigungen von Modernisierungen verbunden mit drastischen Mieterhöhungsankündigungen ins Haus. Wie lange die Mieter bisher in dieser Umgebung gewohnt haben und was sie alles selbst in ein schönes Umfeld investiert haben, ist unerheblich. Es geht um Kohle. Das Schicksal des einzelnen Betroffenen ist unerheblich. Die Mieter können die angekündigten neuen Mieten nicht bezahlen, wehren sich gegen die neuen Maßnahmen, sind aber rechtlich mit der Situation in der Regel vollkommen überfordert und haben auch nicht die Mittel, sich professionelle Fachanwälte leisten zu können - zudem ist der Wille der Gesetzgeber gegen sie.

Solch einen ähnlichen Fall haben die Redakteure Böttcher und Schmalenbach zu ihrem Thema gemacht und Flagge nicht nur Oma Anni und die anderen Betroffenen gezeigt, sondern auch ein Problem der heutigen Mietgesetzgebung und dem Trachten nach massiver Rendite in kurzer Zeit aufgezeigt. Sie haben es zum Thema von uns allen gemacht. Die Frage der Redakteure heißt:

Was ist uns Bürgern heute mehr wert - menschlicher Anstand oder dicke Rendite?
Diese Frage ist so wichtig, dass wir sie auch auf unserem
2. Bürgerschutz-Tag am 18.5.2014 in Berlin
wiederholen und diskutieren wollen. Den Urhebern dieser Frage, Böttcher und Schmalenbach wird auf dieser Veranstaltung unser Verbraucherschutz-Award überreicht werden. Sie alle sind schon heute zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen (siehe auch www.buergerschutz-tag.de).
Norbert Deul
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