Anlässlich des 60-jährigen Bestehens machte Hausgeld-Vergleich e.V. auch die Medien auf die teilweise unhaltbaren Zustände bei der Verwaltung von Immobilien aufmerksam. Die Kritik sowie besonders krasse Fälle in München regte das Bayerische Fernsehen an, über die teilweise sehr unbefriedigende Situation in ihrem Wirtschaftsmagazin “Geld & Leben” am 2.5.2011, 21.15 Uhr, wie folgt zu berichten:
Texte von Johannes Thürmer
Hausverwalter-Check - Eigentümer über den Tisch gezogen.
Wer glaubt, mit dem Wohnungskauf seien alle Sorgen verschwunden, muss in Deutschland eine zweifelhafte Erfahrung machen: Eigentümer könnten zur Melkkuh werden und sich nur schwer dagegen wehren.
Wohneigentum erwerben - und im Alter sorgenfrei leben. So hatte es sich Ewald Tange eigentlich vorgestellt. Doch nun sieht die Welt ganz anders aus. Denn auf ihn kamen in den vergangenen Jahren hoher Kosten zu: 14.000 Euro musste er als Umlage zahlen - für die Anbringung einer zusätzlichen, in seinen Augen unnötigen Wärmedämmung und, was ihn noch mehr ärgert, für den Austausch der Fenster.
Dazu Ewald Tange, Wohnungseigentümer:

“Die Fenster sind hochwertiges Tropenholz. So was schmeißt man nicht weg. So was erhält man solange wie möglich. Und die dann gegen so ein minderwertiges Material aus Kunststoff auszutauschen, ist ein absoluter Schwachsinn und nur üble Geschäftemacherei.“

Zwar konnte Ewald Tange bisher den Austausch seiner Fenster verhindern, doch zahlen musste er schon mal. In den anderen Wohnungen hat der Hausverwalter bereits Tatsachen geschaffen und die Arbeiten durchführen lassen - obwohl erst im Sommer ein Gericht klären wird, ob die entsprechenden Beschlüsse der Wohnungseigentümerversammlung überhaupt rechtmäßig waren.

Der einzelne Eigentümer - so scheint es - hat da keine Chance. Er muss zahlen. Und wenn er sich gegen solche Beschlüsse wehren will, muss er oft jahrelang auf ein Urteil warten.

Das wissen inzwischen auch Jürgen Oldekamp und Erich Staufenbiel. Beiden gehört jeweils eine Wohnung im gleichen Anwesen. Sie ärgert die in ihren Augen ungerechte Aufteilung der Heizkosten zwischen den einzelnen Parteien. Und das scheint an den für diese Heizungsanlage ungeeigneten Zählern zu liegen.

Dazu Erich Staufenbiel, Wohnungseigentümer:

“Bei unseren neuen elektronischen Ablesegeräten ist eine enorme Ungerechtigkeit aufgetreten. Jetzt schon seit 7 Jahren zahlen einige überhaupt nichts und manche, noch nicht mal ein Viertel, zahlt den gesamten Rest. Das kann nicht sein. Unser Verwalter macht seither absolut nichts! Es mussten jetzt schon über 13 Prozesse geführt werden. Und immer noch ist ein Ende nicht in abzusehen.“

Der Verwalter hingegen sieht sich an die Mehrheitsbeschlüsse gebunden. Gegenüber Geld & Leben sagt er, er dürfe erst seine Abrechnungspraxis ändern, wenn dazu ein entsprechender Gerichtsbeschluss vorliege. Doch Fälle wie diese sind keine Seltenheit. Immer mehr Betroffene beklagen sich bei Wohnungseigentümer-Verbänden über ungerechte Abrechnungen und hohe Zusatzkosten. Der Gründer des Vereins “Hausgeld-Vergleich und Hausverwalter-Check”, Norbert Deul schlägt Alarm:
“Wir bemerken, dass jedes Jahr eine Massierung von neuen Fällen hinzukommt, die alten nicht gelöst sind und wir merken das deutschlandweit. So dass das nicht nur ein regionales Problem ist, aber es ist auch so, dass es in Bayern besonders ausgeprägt ist.”

Sehr viele Beschwerden kommen aus den Ballungsgebieten München und Nürnberg. Hier, so berichten Experten, häufen sich Fälle mit falschen Abrechnungen. Das Problem: Zwar ist ein Hausverwalter bei den Eigentümern gesetzlich vorgeschrieben, doch Qualifikationen werden von ihm nicht verlangt.

Und selbst wenn feststeht, dass Abrechnungen nicht korrekt sind, passiert oftmals nichts! Davon kann das Ehepaar Arlt ein Lied singen. Die beiden glauben, bei den laufenden Betriebskosten und bei Modernisierungen zu viel bezahlen zu müssen. In ihren Augen sind die Abrechnungen der Hausverwaltung fehlerhaft. Dies bestätigten auch schon mehrere Gerichte. Zum Teil bis hin zum Oberlandesgericht. Trotzdem hat der Hausverwalter bis heute keine korrekten Abrechnungen vorgelegt. Stattdessen wird psychischer Druck ausgeübt.

Dazu Friedrich Arlt, Wohnungseigentümer:

“Ich werde als Querulant tituliert. Dann kommt noch Mobbing hinzu. Ich habe schon Hausverbot bei ihm. Dann hat er auf einer Eigentümerversammlung schon verlangt, ich muss mein Eigentum veräußern.“

Das Pikante: Obwohl die Gerichte die Fehlerhaftigkeit der Abrechnungen bestätigt haben, passiert bei dem Hausverwalter erst mal nichts. Nun muss das Ehepaar erneut klagen - diesmal auf Erstellung einer neuen Abrechnung - und das kostet wieder Zeit und Geld. Eine solche Rechtslage macht es Hausverwaltern leicht - und erschwert eine effektive Kontrolle.

Doch es gibt noch ganz andere Kostenfallen, mit denen Käufer von Eigentumswohnungen gar nicht rechnen. Denn oft müssen sie für Instandsetzungen oder Modernisierungsmaßnahmen viel mehr Geld bezahlen als nötig.

Wir treffen den Chef einer Münchner Hausverwaltung, der unerkannt bleiben möchte. Er berichtet, dass Handwerker und Baufirmen regelmäßig Schmiergelder an die Hausverwalter zahlen - in erheblichem Umfang.

So äußert sich der Informant:

“Das hängt natürlich immer von der Summe des Geschäfts an sich ab, aber so um die 10 Prozent sind da sicherlich bei den Geschäften immer gut möglich. Ich meine, es gibt genug Bauvorhaben, Sanierungsvorhaben, die weit über 100.000, halbe Million, Million oder darüber hinaus gehen. Und dann geht es schon mal um hohe Beträge!“

Besonders erschreckend: Es soll sich nicht nur um Einzelfälle handeln. Glaubt man ihm, hält sogar die Mehrheit der Verwalter die Hand auf:
“Was ich aus meinem Umfeld weiß, würde ich sagen, dass es deutlich mehr als die Hälfte sind, vielleicht auch drei Viertel, die dafür empfänglich sind.“

Die großen Berufsverbände der Hausverwalter sehen dies anders: Sie sprechen von nur wenigen Ausnahmefällen.

Egal ob bei Abrechnungen, unnötiger Modernisierungsmaßnahmen oder Bestechung: Wenn so etwas auffällt, sollte eigentlich die Eigentümergemeinschaft sofort handeln und die Hausverwaltung wechseln. Denn natürlich gibt es auch ehrliche Verwalter, die die Arbeit korrekt erledigen. Solange es aber den schwarzen Schafen in der Branche so leicht gemacht wird, ist Besserung nicht in Sicht.

Weitere Informationen
Hier gibt es Zusatzinformationen zum Thema:
Hausgeld-Vergleich (Tipps für Eigentümer)
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