Hausgeld-Vergleich e.V. wurde von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zum 10-jährigen Jubiläum der “Geislinger Konvention” eingeladen. Seit dem Jahre 2000 arbeitet der Arbeitskreis “Geislinger Konvention” unter Leitung von Prof. Dr. Hansjörg Bach mit Führungskräften der Wohnungswirtschaft daran, Normen für den Vergleich von Strukturdaten und Betriebskosten von Immobilien zu entwickeln. Inzwischen sind die Vorgaben der “Geislinger Konvention” seit September 2007 die Grundlage von Betriebskosten-Vergleichen von mehr als 3,5 Millionen Wohneinheiten in Deutschland. Angedacht ist dabei, dass die Vermieter von Wohnraum die dort erarbeiteten Daten als Grundlage zu Kostenoptimierungen bei den Wohnnebenkosten verwenden und davon letztlich auch der Mieter profitiert.

Die Kosten jedoch, die Wohnungseigentümer zusätzlich zu zahlen haben, also die Kosten der Verwaltung, Reparaturen und Instandhaltung sowie für die Rücklage wurden nach der Methode “Geislinger Konvention” bisher nicht berücksichtigt und erstmals Anfang des Jahres 2005 von Hausgeld-Vergleich e.V. und ab dann jedes Jahr regelmäßig ab Ende Juni veröffentlicht.

Dirk Tönges, Geschäftsführer der Treureal aus Mannheim, stellte die Feingliedrigkeit der “Geislinger Konvention” dar, die der Immobilienwirtschaft genaue Ansatzpunkte aufzeigen kann, in welchem Segment überdurchschnittliche Kosten vorhanden sind.

Siegfried Rehberg vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. zeigte die weitgehende Stabilität der kalten Betriebskosten zum Vorteil der Mieter auf, die von vermietenden Unternehmen durch Benchmarking auf der Basis der “Geislinger Konvention” erreicht werden konnte.

Lutz Freitag, der Präsident des GdW, dem Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., stellte sein nachhaltiges Geschäftsmodell vor und die unternehmerische Verantwortung heraus, die von staatlicher Überregulierung nicht unnötig eingeengt werden sollte. Er erklärte, dass die Wohnungswirtschaft verlässliche dauerhafte Daten für Investitionen benötigt und nicht ständig erneute gesetzliche Verschärfungen verkraften kann, wie sie z.B. bei der EnEV derzeit erfolgen.

Lukas Siebenkotten, Bundesdirektor des Deutschen Mieterbundes, mahnte staatliche Zuschüsse und verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für Vermieter an, wenn in energetische Verbesserungen investiert wird. Er vertrat die Ansicht, dass derartige hohe Lasten nur vom Vermieter, dem Mieter und dem Staat gemeinschaftlich getragen werden sollten. Die derzeitige Umlagemöglichkeit auf den Mieter allein mit 11% führe zu erheblich mehr Kosten, als an Einsparungen für den Mieter bei den Energiekosten hereinkommen.

Im Rahmen der Diskussion regte Norbert Deul, Vorstand Hausgeld-Vergleich e.V. an, dass das hervorragende Datenmaterial der “Geislinger-Konvention” auch in den allgemein zugänglichen Medien veröffentlicht wird und nicht nur als Auszüge um Jahre verspätet in speziellen Fachpublikationen zu finden ist. Mieter und Eigentümer haben auch in diesem Bereich den Wunsch auf Transparenz, wie sie in anderen Bereichen bereits eine Selbstverständlichkeit ist.

Ob diese Forderung bei den Hausverwalter-Verbänden Unterstützung finden wird, bleibt allerdings abzuwarten. Wolfgang D. Heckeler, Präsident des Dachverbandes Deutscher Immobilien-Verwalter e.V., äußerte sich zu der Forderung nicht. Solange jedoch die vorhandenen Zahlen nicht in die Öffentlichkeit gelangen, liegt die Vermutung nahe, dass vorerst Daten der “Geislinger Konvention” weiterhin leider nur von professionell arbeitenden großen Vermietungsunternehmen intern genutzt werden sollen. Hausgeld-Vergleich e.V. wird sich hier um eine Änderung bemühen und bis dahin weiterhin jedes Jahr selbst Vergleichsdaten für die Wohnnebenkosten (nutzbar für Mieter und Eigentümer) der Öffentlichkeit zeitnah bis Ende Juni für das vorangegangene Abrechnungsjahr zur Verfügung stellen.


Von links nach rechts: Wolfgang D. Heckeler, Siegfried Rehberg, Dirk Tönges, Lukas Siebenkotten,
Lutz Freitag, Prof. Dr. Hansjörg Bach
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