Teilnehmer: Dirk Fieml (Vorstand N-Ergie), Dr. Klemens Gselll (Bürgermeister Nürnberg),
Dr. Christoph Hammer (Oberbürgermeister Dinkelsbühl),
Norbert Deul (Vorstand Schutzgemeinschaft für Wohnungseigentümer u. Mieter e.V.)
Unbestritten in der gut organisierten Podiumsdiskussion in Nürnberg war von allen Teilnehmern die Feststellung, dass die Energiepreise in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind. Vom Verbraucherschützer Herr Deul wurde auf die dramatische Situation zwischen Preissteigerungen bei den Wohnnebenkosten - hier speziell bei der Energie - und den rückläufigen realen Einkommen hingewiesen. Er vertrat die Meinung, dass sowohl Politiker als auch die Spitzenmanager der Energieversorger gefordert sind, Lösungen zu finden, wie dieser Entwicklung gegenzusteuern ist. Es wurden zukunftsweisende Ideen verlangt.
Dinkelsbühls Oberbürgermeister verfocht seine bisher erfolgreiche Idee, Wechsel zu preisgünstigeren Lieferanten. Ferner forderte er eine Senkung der Gaspreise für kleinere Städte wie z.B. Dinkelsbühl, da es nicht angehen kann, dass sich die Stadt Nürnberg mit einem überhöhten Gasabgabepreis die Kosten für ihre städtische Einrichtungen von den Nachbarstädten mitbezahlen läßt.
Herr Dr. Hammer hat deshalb einen Wechsel von N-Ergie zu Wingas vorgenommen und dadurch eine Kosteneinsparung von ca. 100 Euro pro Jahr für jeden Dinkelsbühler Haushalt erreicht. Ihm wird deshalb vom N-Ergie Vorstand Fieml der Bruch von Liefervereinbarungen vorgeworfen. N-Ergie hat deshalb zwei Gerichtsverfahren gegen das Vorgehen von Dr. Hammer eingeleitet. Vorstand Fieml vertrat ferner die Meinung, dass sein Unternehmen lediglich die Kosten der Vorlieferanten weitergibt und das auch nur zum Teil. Der Frage, weshalb bei solcher Bescheidenheit seine AG bei 150 Millionen Stammkapital in 2004 rund 80 Millionen Gewinn erwirtschaften konnte, wurde ausgewichen. Ebenso wurde eine ähnliche Frage zu der Gewinnsituation bei dem Energiekonzern EnBW (10 Milliarden € Umsatz ergaben 1 Milliarde € Gewinn) nicht erläutert.
Einheitlich war dagegen die Meinung, dass die Koppelung des Gaspreises an den Ölpreis heute sachlich nicht mehr zu rechtfertigen ist. Herr Dr. Gsell konnte als Aufsichtsratsvorsitzender der N-Ergie stolz berichten, dass deren Preise in Deutschland ziemlich am Schluss der Preisskala stehen.
Herrn Dr. Hammer und Herr Deul waren der Meinung, dass die Kalkulation bei den Energieversorgern transparent sein sollte und begrüßten das Vorgehen des Kartellamtes sowie die bereits erfolgten Gerichtsentscheidungen.
Gemeinschaftlich wurde geraten, Energie gezielt zu sparen, da unmittelbar weitere Preissteigerungen zu erwarten sind. Herr Deul war noch der Meinung, dass die gefährliche Energie-Abhängigkeit Deutschlands von wenigen anderen Ländern (z.B. Russland) beseitigt werden sollte, denn Abhängigkeit erzeugt Hilflosigkeit gegenüber Preisdiktaten. Er empfahl Kapitalbeteiligungen in ausländischen Förderunternehmen und wieder den Ausbau der Eigenproduktion von Energie, da die Erzeugung von z.B. Strom heute höchst profitabel wäre.
Hoffnung auf stabile oder sinkende Preise konnte derzeit keiner der Gesprächspartner machen. Hier muss abgewartet werden, ob die Möglichkeiten zum problemlosen Lieferanten-Wechsel z.B. tatsächlich Kostenvorteile bringen werden. Herr Deul vertrat die Meinung, dass die Proteste der Verbraucher gegen Preiserhöhungen wichtig sind. Nur dadurch und durch Lieferanten- wechsel seien günstigere Preise zu erreichen.
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