Sehr geehrte Abgeordnete und Mitglieder des Deutschen Bundestages,
in diesem hohen Haus stehen in der nächsten Zeit Entscheidungen an, die die Existenz von zukünftig Millionen Familien in diesem Lande entweder erhalten oder zerstören können. Wir gehen davon aus, dass sich ausreichend Abgeordnete dieser Verantwortung stellen und die umfassenden Analysen dieses offenen Briefes zum Ernst der Lage prüfen und in ihre Überlegungen einbeziehen werden. Wir sind betroffene Mieter/innen aus verschiedenen Stadtteilen Berlins, die den Anfang einer gigantischen Entmietungswelle in Deutschland darstellen bzw. die Schaffung zahlreicher neuer Sozialfälle durch die massive Verteuerung des Wohnraums durch energetische Modernisierungsmaßnahmen. Schuld ist eine verfehlte Gesetzgebung, die uns vollkommen rechtlos macht und uns der unternehmerischen Willkür der Vermieter-Interessen komplett ausliefert. Auch der Deckmantel von Klimaschutz und Konjunkturankurbelung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei diesen Gesetzes-Fassungen um einen der größten gesetzlichen Fehltritte in der Nachkriegs-Geschichte handeln dürfte.
Ursache Gesetzeslage
Ursache ist die bestehende Gesetzeslage, die uns Mieter dazu zwingt, jegliche energetische Modernisierungsmaßnahme dulden und bezahlen zu müssen – koste und nutze sie was sie wolle.
Während der Vermieter das Recht hat, nach § 559 BGB die Kosten energetischer Modernisierungsmaßnahmen mit 11% jährlich auf den Mieter umzulegen (und das bis in alle Ewigkeit), hat der Mieter keinerlei Recht auf Wirtschaftlichkeit, Sinnhaftigkeit oder Notwendigkeit dieser Maßnahmen. Er ist dazu verpflichtet, auch vollkommen unwirtschaftliche Maßnahmen zu dulden und fortan als monatliche Mieterhöhung zu zahlen. Mietsteigerungen von 30, 50, 80 Prozent und in einigen Fällen bis zu 300 Prozent sind bei energetischen Modernisierungen an der Tagesordnung. Geradezu über Nacht geraten so zahlreiche Mieter-Haushalte in finanzielle Bedrängnis. Viele Mieter suchen bereits auf die bloße Ankündigung der neuen Miete hin das Weite, weil sie sich nicht in der Lage sehen, weder die neue Miete aufzubringen, noch aufreibende Auseinandersetzungen mit ihrem Vermieter zu führen.
Einziger gesetzlicher „Schutz“ für den Mieter bleibt die Anzeige eines Härteeinwands innerhalb einer sehr knappen Frist. Die derzeitige Regelung, dass „finanzielle Härte“ erst im Nachhinein, nach Durchführung und Abrechnung der Modernisierungsarbeiten berücksichtigt wird, bedeutet für den Mieter in seiner akuten Situation mehr Ungewissheit als Sicherheit. Zudem muss er davon ausgehen, dass ihn die Modernisierungs-bedingte, erhebliche Verteuerung seines Wohnraums mittel- bis langfristig aus seiner Wohnung vertreibt, selbst wenn er nach Offenlegung seiner Einkommenssituation zunächst „soziale Härte“ zugestanden bekommen sollte.
Die Kriterien zur Anerkennung sozialer Härte sind nicht klar definiert – und schlimmer noch – der Vermieter entscheidet zunächst darüber. Spätestens hier braucht der Mieter zwingend einen Rechtsschutz.
Unwirtschaftliche energetische Maßnahmen erhöhen die Gesamtmiete erheblich, wodurch sie den Mietspiegel in die Höhe treiben, so dass sich mittel- bis langfristig der Druck auf Haushalte mit geringen und normalen Einkommen erhöht. Mit der Mietpreisbremse steigt die Motivation für Vermieter, „umfangreiche energetische Modernisierungen“ durchzuführen, denn so lässt sich die Mietpreisbremse direkt und lukrativ umgehen.
11% der Investitionen in energetische Modernisierungsmaßnahmen jährlich auf den Mieter umlegen zu können bietet einen direkten Anreiz, möglichst viele bzw. möglichst teure dieser Maßnahmen anzuwenden oder anstatt günstig instand zu setzen teuer zu modernisieren. Da es keine unabhängige, fachliche Kontrolle über Art und Umfang der Maßnahmen gibt, kommen sehr oft Maßnahmen zum Einsatz, die die Miete erhöhen, auf der anderen Seite aber kaum Einsparungen ergeben.
Ursache fragwürdige energetische Modernisierungsmaßnahmen
Wir Mieter ahnen es nicht nur, sondern wir wissen es: durch die jahrelange Auseinandersetzung mit angekündigten und durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen, zahlreichen Berichten und Reportagen in den Medien, Kontakten zu Fachleuten und indem wir selbst nachgerechnet haben und z.B. unsere tatsächlichen Verbrauchswerte vor/nach Modernisierung ausgewertet haben wissen wir, dass diese Maßnahmen für den Mieter sehr oft unwirtschaftlich sind und verhältnismäßig wenig Energie einsparen.
Allen voran ist hier die Fassadendämmung zu nennen, die selbst im Altbau mit massiven Ziegelmauerwänden und Wandstärken von 40-50 cm zur Anwendung kommt – mit Verweis auf die EnEV und KfW-Förderprogramme. Nicht selten sind hier die Kosten für den Mieter 10 mal höher als die möglichen Einsparungen (!). Z.b. werden Mietern 123 EUR monatliche Mieterhöhung durch energetische Modernisierungsmaßnahmen angekündigt und dagegen nur 11 EUR monatliche Betriebskosten-Einsparung in Aussicht gestellt.
Das Herausreißen intakter, wertvoller Holzkastenfenster und der Einbau billiger PVC-Fenster ermöglicht es dem Vermieter die Kosten, die in die Instandhaltung zu investieren wären einzusparen und obendrein eine Modernisierungsumlage für neue Fenster zu erzeugen, die der Mieter fortan mit jährlich 11% der Kosten als dauerhaften Mietaufschlag zu zahlen hat.
Ebenso werden durch das Herausreißen intakter, effizienter Gasetagenheizungen und der Installation von an Fernwärme angeschlossene Zentralheizungen umlagefähige Kosten erzeugt – ohne eine Änderung oder Verbesserung des Wohnwertes.
Abgesehen von der Verschrottung intakter Heizungsanlagen und Fenster ist anzuzweifeln, dass mit diesen Maßnahmen tatsächlich Primärenergie eingespart wird. Bei der Fernwärme setzt man auf eine Technologie, die kilometerlange Verlust-behaftete Leitungsnetze erfordert, statt auf die moderne, dezentrale Art der Energieerzeugung direkt am Ort des Verbrauchs. Mit PVC-Fenstern sorgt man für eine Luftabdichtung, die erhöhtes Lüften oder den Einbau elektrischer Zwangslüftungsanlagen erforderlich macht.
Das Repertoire an energetischen Modernisierungsmaßnahmen bietet noch einiges mehr als die genannten: Fassade, Fenster, Heizung – die allein zur Verdopplung der bisherigen Kaltmiete führen können. Durch weitere Maßnahmen wie Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Solarthermie etc. lassen sich Mieten nach Modernisierung erzielen, die kein Mieter mehr bezahlen kann. Mit diesem „Trick“ lässt sich ein Haus auch komplett entmieten, um es dann als Eigentum zu verkaufen. Der Eigentümer braucht dazu nur ein paar sehr teure energetische Maßnahmen zu kombinieren und hat dabei nicht etwa zu befürchten, dass diese Maßnahmen nicht genehmigt werden, denn die Bauämter sind gehalten, nach bestehender Gesetzeslage zu entscheiden, die hier keine Begrenzungen – etwa bei Unwirtschaftlichkeit für den Mieter – vorsieht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bei der energetischen Modernisierung des Wohnungsbestandes die versprochenen Einsparungen in der Regel nicht eintreten, weil die Erwartungen in diese Maßnahmen unrealistisch hoch sind, weil die zu Grunde liegenden Berechnungen auf theoretischen, von der Praxis stark abweichenden Werten basieren und weil die bestehende Bausubstanz einen viel geringeren Energieverbrauch vor Modernisierung hat als veranschlagt.
Letztlich bedeutet das erhebliche Mietsteigerungen bei bezahlbaren Bestandswohnungen, die nach einer Modernisierung für viele nicht mehr bezahlbar sind, weil sich die Mieten so modernisierter Wohnungen fortan am oberen Ende der erzielbaren Miete orientieren. Möglich wird das durch die Auflagen der Energieeinsparverordnung (EnEV), die hier regelrecht zu einem Werkzeug zur Erhöhung der Mieten im Bestand geworden ist und die zusammen mit dem Anreiz, 11% der Modernisierungskosten bis in alle Ewigkeit auf den Mieter abwälzen zu können, wesentlich zur Verteuerung der Mieten im Bestand beiträgt.
Ursache EnEV und KfW-Förderinstrumentarium
Die immer weiter verschärften Auflagen der EnEV bringen Bauherren/ Vermieter in Bedrängnis oder aber wecken die Versuchung, teuer und mit hoher Umlage für den Mieter zu modernisieren. Es ist äußerst fraglich, ob die Regelungen der EnEV fachlich richtig und tragfähig sind, wenn schon wir Mieter erhebliche Abweichungen zwischen den in den Energieausweisen zu Grunde gelegten Ist-Bedarfswerten und unseren tatsächlichen Ist-Verbrauchswerten, die z.B. um den Faktor 2,6 (!) geringer sind als die in den Energieausweisen verwendeten Werte. Siehe auch Cambridge-Studie (2012) an über 2.000 deutsche Gebäuden: errechneter Energiekennwert durchschnittlich 30% höher als tatsächlicher Ist-Verbrauch
http://www.hamburg.de/contentblob/3996894/data/prebound.pdf
Wohl nicht ohne Grund fordert der BDB (Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure e.V.) ein EnEV-Moratorium für den Zeitraum von 5 Jahren, in dem die Auswirkungen bisheriger Verordnungen wissenschaftlich untersucht und in Bezug auf ihre Wirksamkeit validiert werden sollen.
Als weiteres, für teure energetische Modernisierungen verantwortliches Werkzeug erweist sich das Fördersystem der KfW. Nach theoretisch erzielbaren Ziel-Verbrauchswerten werden hier Förderungspakete angeboten, die darauf aus sind, einen möglichst minimalen, theoretischen Verbrauch nach Modernisierung zu erreichen.
Diese Fixierung auf minimale theoretische Verbrauchswerte befördert maximale Maßnahmen-Komplettpakete und damit teure Komplett-Modernisierungen, bei denen nicht sinnvolle Einzelmaßnahmen, sondern teure Komplettpakete besonders gefördert werden. Nach dem Wähler haben Sie als Abgeordnete nun die Wahl, ob sie diese großangelegte Entmietung und faktische Vertreibung von weniger zahlungskräftigen Mietern weiter fördern wollen. Oder sie geben dem humanistischen Grundgedanken unserer Gesellschaft wieder eine Chance. Auch wenn Sie als Abgeordnete wahrscheinlich nicht auf die Mietung einer Wohnung angewiesen sein mögen, bitten wir Sie zu bedenken, dass eine klare Mehrheit der Bevölkerung von 57% - in Berlin sogar 85% - zur Miete wohnen und auf den Schutz durch grundlegende Mieterrechte existenziell angewiesen sind.
Deshalb erinnern wir sie freundlichst an den Grundgesetz § 14 Abs.2 (Sozialbindung des Eigentums) und die leider vielerorts ebenso vergessene oder verdrängte Beschluss-Lage des Bundesverfassungsgerichts v. 26.5.93 NJW/93/2035. Danach „hat der Mieter an seiner Wohnung als Lebensmittelpunkt ein Besitzrecht, das Ihm wie Sacheigentum zugeordnet ist“ und der Gesetzgeber muss die schutzwürdigen Interessen beider Seiten berücksichtigen und in ein ausgewogenes Verhältnis bringen. Ein Eigentumsschutz des Mieters für sein Besitzrecht dient dabei der Abwehr solcher Regelungen, die das Bestandsinteresse des Mieters gänzlich missachten oder unverhältnismäßig beschränken.“ Der Gesetzgeber hat aber bei diesem Gesetz dieses Abwägungs-Gebot zwischen beiden Eigentums-Schutzinteressen missachtet und ein höchst einseitiges Zwangsgesetz geschaffen, was diesen Verfassungsrechtlichen Grundsätzen grundlegend widerspricht.
Diese Missachtung der klar definierten Rolle des Gesetzgebers zum Schutz der Mieterrechte treibt das Bundesjustiz-Ministerium in der aktuellen Panorama-Sendung auf die Spitze: „Mieter sind selber Schuld, wenn sie bei Härtefällen nicht klagen“!!!
Erst wurde im Mietrecht die Rechtslage eines Haifischbeckens geschaffen, um dann die armen, verunsicherten Mieter auf den teuren, risikoreichen und Vermieter-dominierten Klageweg zu verweisen – armseliger kann Politik wohl nicht mehr sein.
Wenn ein Mensch seine Persönlichkeits-, Freiheits- und Besitzrechte nicht mehr geltend machen kann, dann kommt dies einem Notstands- oder Ermächtigungs-Gesetz gleich. Es gibt aber weder einen echten Klima-Notstand noch einen Vermieter-Renditenotstand!
Demnach sind auch alle Mitnahme-Effekte von staatlich legalisierten Wuchermieten durch die Vermieter, die die Mieter zum ungewollten Auszug zwingen und aus der Stadt verdrängen, ebenfalls rechtlich nicht tragbar. Leider ist hier ausgerechnet das Gesetz zur energetischen Sanierung in seiner letzten Novellierung immer mehr zu einem „Gesetz zur Förderung der Dämm-Industrie“ verkommen.
Das mit Abstand teuerste EnEV-Element der Fassaden-Dämmung ist bei Bestandsgebäuden ab 38 cm Wandstärke klimatisch und energetisch geringfügig bis kontraproduktiv. Das Material birgt riesige Gefahren: Im Zeitalter des Terrorismus durchziehen wir unsere Städte mit fußballfeld-großen Brand-Bomben in engstem Raum. Wir züchten weiterhin auf und in unseren Wänden Feuchtgebiete, die nicht nur die Dämmfähigkeit beeinträchtigen, sondern ein Kaputt-Sanieren der gesamten Bausubstanz befördern!!! Die Nutznießer dieser Katastrophe sind Pilz- und Schimmelkulturen. Damit diese nicht überhand nehmen und sofort zu sehen ist, werden große Mengen von z.Tl. verbotenen Pestiziden in Platten, Putz und Farbe eingebracht und dann durch Wind und Wetter in unseren Wohngebieten und im Grundwasser verteilt. Danach erst wird die letzte zentrale Frage dieses „Undercover“-Unsinns beantwortet: Wie viel von der Substanz des Gebäudes ist überhaupt noch zu retten? Dann sind die Garantien und Versprechungen längst versiegt. Dann aber haben diese feinen Herr-Schaften ganz sicher wieder neue Angebote - für das Bauen des Neubaus – so funktioniert Technik - zumindest die von Angebot, Nachfrage und Übervorteilung…
In 15 - 30 Jahren ist die Flächendeckende Entsorgung mehr als wahrscheinlich und leider noch ohne jedes Konzept. Die Atomentsorgung ist noch nicht gelöst und hat schon einen würdigen Nachfolger gefunden. Dann hat es sich weder ökologisch für alle noch ökonomisch für den Mieter amortisiert und zahlen müssen es dann wieder alle… Fast die gesamten Medien äußern sich immer kritischer in diese Richtungen. Selten hat es eine so große Ignoranz in Politik und Wirtschaft gegenüber solchen Entwicklungen gegeben.
Ein verfassungsrechtlich höchst bedenklicher Umstand liegt außerdem darin, dass individuelle Klagen gegen das Zwangsgesetz für den Mieter faktisch aussichtslos geworden sind. Damit kann sogar dem Bürger der Weg zum Bundesverfassungsgericht verbaut werden. Es muss also wohl nur ein/e beherzte Richter/in selbst feststellen lassen, ob diesem Gesetz ein schwerer Mangel anhaftet, mit dem keinerlei Gerechtigkeit hergestellt werden kann. Er/Sie müsste also die verfassungsmäßige Überprüfung veranlassen... verkehrte Welt!
Es sei denn, der Gesetzgeber entsinnt sich seiner eigentlichen demokratischen und rechtlichen Kompetenz und ersetzt diese unnützen Bestimmungen durch ein echtes Klima-, Mieter- und Vermieter-gerechtes Programm.
Dann darf nicht mehr nur das Gesamtpaket gefördert werden, sondern eine abgestufte und angepasste Kombination von wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Maßnahmen – kontrolliert von neutralem Sachverstand, der endlich umfassend in das gesamte Gesetzgebungs- und Umsetzungs-Verfahren einbezogen werden muss.
Dann kann auch nicht mehr der teuerste Unsinn zum besten Rendite-Faktor und damit zur ersten Wahl werden. Dies muss die Bevölkerung einer aufgeklärten Demokratie von ihrer Regierung verlangen können!
Lassen Sie ab von dieser Neuen „Dämmokratie“ und verhindern Sie die soziale Katastrophe:
Ein noch undemokratischeres Gesetz hierzulande gibt es kaum. Es erinnert an die Zeiten und Manieren von Feudal- und Guts-Herren. Es erlaubt einer kleinen Minderheit der Mehrheit die Preise zu diktieren – praktisch ohne Konkurrenz. Es legalisiert und fördert den eigentlich verbotenen Mietwucher und gibt ihm staatlichem Segen. Das Geschäftsmodell beruht entgegen jeder Marktwirtschaft auf Unwirtschaftlichkeit. Diese Unwirtschaftlichkeit kann nur der Vermieter geltend machen - der Mieter aber nicht!
Eine wirtschaftliche und wissenschaftliche Überprüfung findet nicht statt – alles Nähere regelt der Hersteller. Der ökologische Gedanke ist zwar die Ursache – hat aber kaum eine Wirkung. Die einzige Nachhaltigkeit dieser Maßnahme besteht im Wesentlichen in der nachhaltigen Sicherung der hohen Renditen bis zum Ende aller Tage. So etwas soll Bestand haben? Das kann doch nicht der Ernst des hohen Hauses sein!
Menschen werden ihrer selbst eingebauten Gasetagenheizung enteignet und umlagepflichtig in Kohle-abhängige Fernwärme gezwungen. Es wird kaum mehr richtig saniert, sondern nur noch Umlage-fähiges ausgeschlachtet. Der Bundesgerichtshof bläst auch ins gleichgeschaltete Horn und proklamiert, dass nur eine kWh Einsparung riesige Ausgaben zu Lasten des Mieters rechtfertigt. Solches Denken verklärt das Gesetz zu einem Dogma mit diktatorischen Zügen – rechtlich wie unternehmerisch. Es schafft Sonderrechte für eine kleine Gruppe und führt zur gnadenlosen Übervorteilung großer Teile der Bevölkerung. Es diskriminiert außerdem die Mieter faktisch zu Sünden-Böcken, die nun offensichtlich bluten sollen für die Fehler und Versäumnisse der Politik bei der Senkung der CO2-Bilanz, während weite Teile der Industrie, wie z.B. Auto- und Kohle-Industrie, ihre verschmutzenden Geschäfte problemlos weiter betreiben können.
Die weitere Zulassung dieser unverschämten Möglichkeiten durch den Gesetzgeber ist eine Steilvorlage für Miet-Spekulation und wird eine Flut von Nachahmern zur Folge haben – damit auch eine Flut von Entmietungen und Verdrängungen der Mieter. Die reine Beschränkung nur auf die „Härtefälle“ wird eine Welle von weiteren Härte- und Sozialfällen erzeugen, die nachrücken und ebenfalls Hilfe aus unseren Steuergeldern für fremde Abzocke benötigen werden. Es kann auch nicht ohne Folgen für die Binnenkonjunktur und die Pluralität der Wirtschaft bleiben, wenn sich die vergleichsweise kleine Gruppe von Vermietern immer größere Anteile der Einkommen der Bevölkerungs-Mehrheit unter den Nagel reißen kann… Selbst das wäre doch schon mal ein paar parlamentarische Gedanken wert.
Noch ein Letztes: Lassen Sie sich nicht mehr beeindrucken von dem beliebten Totschlag-Argument: für Arbeit und Arbeitsplätze müssen wir alles machen (sei es auch noch so unsinnig oder unsozial und bisweilen unmenschlich?) Dahinter verbirgt sich ein verbissener - aber längst überholter - Technik- und Wachstumsfetischismus, der sich inzwischen immer unverhohlener gegen die Natur und die Menschen selbst richtet. Hier müsste endlich der längst fällige Paradigmenwechsel und ein nachhaltiges Umdenken in Sachen Menschlichkeit einsetzen. Glück auf – Volksvertreter/innen!
Mit freundlichen und erwartungsvollen Grüßen
Ihre Mieter der Hauptstadt
und ersten Opfer einer neuen Deutschen Dämmokratischen Republik?
P.S.: Allerletzte Worte zur endgültigen Lösung der Klimafrage:
Erst wenn das letzte Haus verdämmt und der letzte Mensch vergiftet und verschimmelt ist, dann wird die Natur wieder frei durchatmen können…
Kleine Auswahl an Beiträgen und Artikeln aus den Medien:
Wärmedämmung - der Wahnsinn geht weiter (NDR 2012)
https://www.youtube.com/watch?v=imXqqwDwmn4
3sat hitec (2012)
https://www.youtube.com/watch?v=ZzWEnj6lJjE
ZDFzoom: Dämmwahn oder Klimarettung? (2013)
https://www.youtube.com/watch?v=ToAMYyA7FYw
DER SPIEGEL, Nr. 49/14: Verdämmt in alle Ewigkeit, S. 63–70
Hausdämmung unbezahlbar: Politik hat kein Einsehen (ARD Panorama 16.07.2014)
http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2014/Hausdaemmung-unbezahlbar-Politik-hat-kein-Einsehen,waermedaemmung206.html
Fassadenbrand im Jahr 2009 in Berlin-Pankow
https://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=ekD7vq18suA#t=34
Hochhaus in Grosny in Flammen (2013)
https://www.youtube.com/watch?v=Tc7VYw9FHwQ
"Gift in der Fassade" (NDR 2012)
https://www.ndr.de/nachrichten/waermedaemmung197.html
Ignorierte Gefahr: Gift in Wärmedämmung (NDR 2014)
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama3/Ignorierte-Gefahr-Gift-in-Waermedaemmung-,waermedaemmung222.html
Dämmplatten gefährden die Gesundheit (Die Welt, 22.7.2011)
http://www.welt.de/print/die_welt/finanzen/article13501182/Daemmplatten-gefaehrden-die-Gesundheit.html

Ein Kommentar von Norbert Deul
30. Juni 2015 um 17:34
Eine hervorragende Protestaktion – Vorbild für andere Städte, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten oder zu bekommen! Mieter betätigt euch ebenso großartig wie diese Gruppe in Berlin!
„Die Umlage der energetischen Sanierungskosten mit 11% auf den Mieter bis zu dessen Lebensende ist ein gesetzgeberischer Skandal.
Diese risikolose Verzinsungsmaschinerie ab dem 10. Jahr für den Vermieter ist sofort zu beseitigen. Das ist meine Meinung als Vorstand der national tätigen „Schutzgemeinschaft für Wohnungseigentümer und Mieter e.V.“
Mieterhöhungen von bis zum 10-fachen der mutmaßlichen Heizkostenersparnis drohen, wenn eine Bestandsimmobilie zeitgemäß nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) modernisiert wird. Die Mietpreisbremse hat das Problem der wesentlichen höheren Kostenbedrohung durch die 11%ige Modernisierungsumlage nicht gelöst.
Die Forderungen aller Mieter können deshalb nur sein:
  • Die derzeitige Möglichkeit der 11%igen Mietenerhöhung basierend auf den energetischen Investitionen des Vermieters ist ersatzlos zu streichen.
  • Mieterhöhungen haben sich an der Heizkostenersparnis zu orientieren und haben nach Abbezahlung der Vermieter-Investition zu enden.
Das müssen die Forderungen gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit sein.
Nur eine einheitliche Forderung und öffentlicher Protest hilft.
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