Die Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD hatte im Rahmen ihrer Verbraucherschutzpolitik ins Logenhaus (AVZ) in Berlin-Wilmersdorf eingeladen. Der Erwerb von Eigentumswohnungen ist für viele Erwerber die größte Investition ihres Lebens. Die meisten Verbraucher sind mit den dann folgenden rechtlichen und organisatorischen Folgen häufig überfordert. Sie ziehen sich nach den ersten negativen Erfahrungen über ihre beschränkten Möglichkeiten, die ihnen bei der Verwaltung und Gestaltung der Wohnnebenkosten verbleiben, resigniert zurück.
Es sollte deshalb erörtert werden, ob Wohnungseigentümer mehr Verbraucherschutz benötigen. Gesprächsteilnehmer waren Verbraucherschützer und Wohnungseigentümer und namhafte Fachleute aus den Wohnungsbau- und Immobilienverbänden, sowie Mitglieder des deutschen Bundestages, des Justizministeriums und der Gerichtsbarkeit.
Die Fronten der Diskussionsteilnehmer waren für Wohnungseigentümer schnell erkennbar. Während Verbraucherschützer mehr Rechte und Regelungsbedarf gegenüber Bauträgern und Hausverwaltern aufgrund der vielen negativen Vorfälle von der Politik anmahnten, sahen die Vertreter der Wohnungsbau/Immobilien- und Hausverwalter-Verbände darin eine überflüssige "Regelungsflut" und verlangten demgegenüber mehr rechtliches Interesse und Fachkenntnisse und Verständnis der Verbraucher.
Verbraucherschützer und Eigentümer forderten bessere Rechte gegenüber dem Bauträger und kürze Bestellzeiten für den Erstverwalter, bessere Investitionssicherheit, Verständlichkeit für Baubeschreibungen und Verträge sowie Transparenz bei Abrechnungen.
Herr Bachmann vom GdW hielt dies für überflüssig, soweit es jedenfalls seine Mitgliedsfirmen betrifft. Herr Bielefeld von Haus & Grund Deutschland warnte vor einer "Regelungswut". Nach seiner Meinung sollen sich Eigentümer einfach vorher besser informieren. Herr Schmidt (VDIV) wies auf die gute Verwalter-Ausbildung seines Verbandes hin. Wohnungseigentümer dagegen hielten die Ausbildung für wichtig aber noch entscheidender die "Moral und die Einstellung zu den treuhänderisch überlassenen Fremdgeldern bei den Verwaltern". Frau Weis als Mitglied des Bundestages gab zu, dass man sich bisher auf die großen zu lösenden Probleme in Deutschland konzentrieren und deshalb Verbraucherschutz für Wohnungseigentümer vorerst zurückstehen musste.
Herr Stiller vom Justizministeriun warb für die wenigen Veränderungen zum Wohnungseigentumsgesetz und befürchtete bereits, dass weitere änderungswünsche Probleme beim Gesetzgebungsverfahren bringen könnten. Herr Dr. Briesemeister, Vors. Richter a.D. beim Kammergericht Berlin, hielt, wie die Verbraucherschützer ebenfalls, eine nur 2-jährige Erstbestellung für den "Bauträger-Verwalter" für angemessen, um Gewährleistungsansprüche nicht zu gefährden. Ferner verwies er auf die Notwendigkeit der Darstellung von Kontenbeständen und Vermögensstatus in der Jahresabrechnung zu Kontrollzwecken.
Die überwiegend durch schlechte Erfahrungen geschädigten anwesenden Wohnungseigentümer erwähnten die negativen Erfahrungen bei Gerichtsverfahren und bemängelten immer wieder die geringen Möglichkeiten, sich gegenüber Verwaltern und Bauträgern durchsetzen zu können. Insgesamt wurde der Friedrich-Ebert-Stiftung für diese sehr gut organisierte Veranstaltung von den Verbraucherschützern und den anwesenden Eigentümern gedankt.
Es wurden weitere derartige Gesprächsrunden auch in anderen Städten gewünscht, um die Öffentlichkeit noch besser auf die massiven Probleme vieler Wohnungseigentümer aufmerksam zu machen und mehr Schutz zu erhalten.
Unsere Forderungen zu mehr Verbraucherschutz für Wohnungseigentümer
entnehmen Sie bitte unserem Presseartikel vom 7.6.2006
"Mehr Recht für Wohnungseigentümer".
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