Wer derzeit die Äußerungen von Politikern und der Repräsentanten von Interessengruppen verfolgt, sollte einen kühlen Kopf bewahren. Der Ausstieg aus der Atomenergie wurde als Einstieg in eine bessere Welt gefeiert. Jetzt gilt dies nicht mehr, denn nun wird vielen Politikern klar, dass die Versorgung ohne einen Energiemix mit Atomstrom gefährdet ist. Die erneuerbaren Energien, noch vor einiger Zeit als idealer Ausgleich beurteilt, bringen bisher betriebswirtschaftlich nicht das, was erforderlich wäre - preiswerte Energie. Denkansätze werden immer weniger bis zum Ende durchdacht. Richtig ist natürlich, dass sich Sonnenstrahlung und Wind in Energie umwandeln lässt. Aber schon immer sollte eigentlich klar gewesen sein, dass Solarenergie nur dann effektiv gewonnen wird, wenn Sie kaum gebraucht wird - in der warmen Jahreszeit und das zu lösende Problem in der Speicherfähigkeit läge. Aber hier konnte von Wissenschaftlern und Ingenieuren bisher wenig Positives berichtet werden.

Nennenswerte Windenergie entsteht nur bei starkem Wind, so dass auch hier jegliche Zuverlässigkeit fehlt. Es kann auch nicht Sinn der Sache sein, dass derartige Energiearten weiter in einem Maße subventioniert werden, das uns an das Milliardengrab im Steinkohlebergbau erinnert.

Zu Ende gedacht sind auch nicht die Äußerungen unseres Bundesministers Wolfgang Tiefensee, wenn er in einer Verwalterzeitschrift die These aufstellt, die energetische Optimierung des Gebäudebestandes leistet einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Senkung der Wohnnebenkosten. Vermutlich haben er oder seine leitenden Ministerialbeamten noch nie die tatsächlichen Kosten und die Folgekosten, die energetischen Maßnahmen an einer Bestandsimmobilie verursachen, in Relation zu den tatsächlich erzielten Einspareffekten gesetzt. Wäre das praxisnah gemacht worden, hätte sich gezeigt, dass sich bestimmte Maßnahmen bei Einbeziehung einer Kapitalverzinsung nicht amortisieren - woraus sich ergibt, dass die Senkung der Heizkosten häufig nur über einen unvernünftigen Kostenaufwand erzielbar ist.

Ignoriert wird ferner, dass kein Energiekonzern seine Preise stabil halten wird, wenn er weniger Energie verkaufen kann. Logischerweise wird er bei einem Minderverkauf seine Preise anheben, um seinen Gewinn auch weiterhin steigern zu können, solange kein Wettbewerb herrscht.

Verschwiegen werden die Nebenwirkungen des Plastikverpackungswahns von Wohnanlagen. Ca. 3 Millionen Wohnungen sind laut einer Studie der Universität Jena inzwischen von Schimmel befallen - für viele Bauexperten kein Wunder, da der Feuchtigkeitsabfluss von innen nach außen weitgehend abgesperrt wurde.

Zu Ende gedacht sind auch die Bestrebungen einiger Führungsköpfe der Sozialdemokraten nicht, die lt. “Spiegel” Mietern von schlecht gedämmten Wohnungen ein Recht zur Mietkürzung einräumen wollen. Wer sich nämlich mit der Praxis der Heizungskostenabrechnung beschäftigt, wird erkennen, dass sich innerhalb einer Wohnanlage je nach Lage und Beschaffenheit der Wohnung zwangsläufig Verbrauchsunterschiede an Energie von fast 50%* ergeben und der Verbrauch wegen vollkommen unterschiedlichen Verhaltens der Wohnungsinhaber z.B. in einer 18 Wohnungen umfassenden Anlage von 24,3* bis 158,7* kWh/qm gehen kann. Auf welcher Basis wäre also festzustellen, welchen Betrag ein Mieter rechtssicher abziehen könnte. Und was kann ein Energieausweis zum noch akzeptablen Verbrauch einer bestimmten Wohnung aussagen, wenn er lediglich Angaben über Mittelwerte der gesamten Wohnanlage macht. Auch hier haben irgendwie die Praktiker bei den Überlegungen gefehlt oder deren Meinungen sind bei der Gesetzgebung ignoriert worden.

Hausgeld-Vergleich e.V. empfiehlt deshalb, allen Aussagen zu theoretischen Energie-einsparungen und den damit verbundenen angeblichen Kostensenkungen äußerst kritisch zu begegnen. Glauben Sie erstmals wenig. Lassen Sie sich Immobilien zeigen, bei denen die prognostizierten Einsparwerte real über einen längeren Zeitraum erreicht wurden und überprüfen Sie die Kosteneinsparprognose nach folgendem Schema mit kühlem Kopf:

Kapitalaufwand für die Maßnahme + 10% zu erwartende Mehrkosten: ____________________
vorstehende Kosten geteilt durch erwartete Amortisationszeit von ca. 11 Jahren ergibt Kosten je Jahr ____________________
zuzüglich übliche Verzinsung für Kapitalaufwand (z.B. 4,5%) ____________________
Gesamtaufwand pro Jahr ____________________
Kosten der Jahres-Heizungsabrechnung ____________________
abzüglich Heizungs-Nebenkosten (Wartung, Messkosten usw.) ____________________
abzüglich Kosten für die Warmwasser-Erzeugung ____________________
ergibt Ausgangsbasis für Einsparung ____________________
Prognostizierte Einsparung in % der vorstehenden Ausgangsbasis ____________________

Sodann stellen Sie den Gesamtaufwand pro Jahr der erwarteten Einsparung im Jahr gegenüber. Sie werden dann feststellen, dass sich viele vorgeschlagene energetische Maßnahmen derzeit einfach nicht rechnen und deshalb zurückgestellt werden sollten, bis sich entweder die Kosten dafür verringern oder die Energiekosten weiter verändern.

Die aufgezeigte Rentabilitätsberechnung basiert natürlich auf derzeitigen Istwerten im Energiebereich. Erfahrungsgemäß bedürfen energetische Maßnahmen aber auch einer Pflege oder Wartung, die bei einer Grobrechnung nur schwer gefasst werden können, da die Erfahrungswerte erst im Laufe der Jahre erworben werden (z.B. können bei einer Wärmedämmung an der Außenwand Veralgungen, Vogelverpickungen oder Spannungsrisse zu erforderlichen Nachbesserungen bereits nach wenigen Jahren führen). Wegen dieser beiderseitigen Unwägbarkeiten sollte eine statische Überschlagsrechnung, wie vor beschrieben, die Basis für die betriebswirtschaftliche Entscheidung bilden.

Wenn Sie also auf der Eigentümerversammlung eine Entscheidung über eine energetische Maßnahme treffen sollen, sollten Sie rechtzeitig vor der Beschlussfassung von der Hausverwaltung die für die Berechnung erforderlichen Werte anfordern und sich Objekte nennen lassen, bei denen die prognostizierten Einspareffekte erreicht wurden.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich an Hausgeld-Vergleich e.V., Tel. 09154/1602
* Werte aus einer techem-Studie
Zurück