Was in Nordrhein-Westfalen nach Bürgerprotesten möglich war, kann auch in anderen Bundesländern und Gemeinden erreicht werden! Denn inzwischen ist Haus- und Wohnungseigentümern klar geworden, dass ihnen eine weitere enorme neue Belastung droht. So schreibt die Münchner Stadtentwässerung ähnlich wie andere Städte nämlich bis zum 31.12.2015 vor: „Alle Abwasserleitungen müssen dicht sein!“

Und das kann so richtig ins Geld gehen. Der erste Schritt ist die Dichtigkeitsprüfung, die bereits je nach Länge der Abwasserrohe mehrere tausend Euro bei einer Prüfung mit einer Spezialkamera kosten kann. Werden dann Schadstellen sichtbar, dann wird es richtig teuer. In der Regel ist ein Ingenieur zu bezahlen, der eine Sanierungskonzeption erstellt. Das kostet wieder etliche Tausender. Und dann können die wirklichen großen Kosten kommen. So sind Kostenvoranschläge von über 100.000,- € für die Sanierung der Abwasserrohre einer Wohnanlage keine Seltenheit.

Dabei sind Hausbesitzer und Wohnungseigentümer in der misslichen Lage, nicht beurteilen zu können, ob ein Aufwand in dieser Größenordnung überhaupt erforderlich ist und ob solch eine Sanierung in einer noch vertretbaren Kostenrelation zum tatsächlichen Nutzen steht. Landwirte können unbeanstandet ihre stinkenden Güllewagen mit tierischen Exkrementen in die Natur entleeren. Für Zugtoiletten gilt das ebenso. Auch Hundekot auf Wiesen sowie städtische Großfriedhöfe gefährden das Grundwasser scheinbar ebenso nicht. Nur für Haus- und Wohnungseigentumsbesitzer gelten andere Maßstäbe bei ihren Abwasserrohren. Sie sollen wieder einmal als die Melkkühe zur Verfügung stehen - dieses Mal für Kanalprüfungs- und Kanalsanierungsfirmen.

Dabei wurde von Fachleuten wie z.B. Prof. Dr.-Ing. Hartmut Hepcke nachgewiesen, dass angebliche Gefahren privater Abwasserleitungen für unser Trinkwasser jeder realen Grundlage entbehren. Bestätigt wird diese Aussage durch frühere Studien von Ulrich Hagendorf vom UBA Umweltbundesamt sowie in einer Dissertation an der Universität Hamburg.

Wie ist der derzeitige Stand?
  • Eine EU-Richtline für private Abwasserleitungen, nach der bis zum Jahre 2015 Dichtigkeitsprüfungen vorliegen müssen, gibt es nicht. Die häufig zitierte Richtlinie gilt nur die öffentlichen Abwasserleitungen. Eine neue Richtlinie müsste zudem erst in nationales Recht umgesetzt werden.
  • Eine grundsätzliche Eigenüberwachungspflicht ergibt sich aus dem bundesrechtlichen Wasserhaushaltsgesetz (§ 61 Abs. 2 WHG). Daraus ergeben sich aber keine Einzelheiten für die Dichtigkeitsprüfung. Ob solche erlassen werden, ist derzeit unklar. Inzwischen gelten die Landeswassergesetze.
  • Fast alle Bundesländer haben Überwachungsverordnungen erlassen, die aber die Prüfung öffentlicher Abwasserleitungen regeln.
  • Die immer wieder in Zusammenhang mit dem Zwang zur Dichtigkeitsprüfung zitierte DIN 1986-30 ist weder ein Gesetz noch hat die DIN-Norm Gesetzeskraft. DIN-Normen entstehen auf der Basis eines privaten Vereins (Deutsches Institut für Normen e.V) durch eine Initiative „interessierter Kreise“ (Kanalbranche).
  • Eine Pflicht zur Dichtigkeitsprüfung der privaten Abwasserleitungen besteht derzeit nur in wenigen Bundesländern. Erfolgreiche Bürgerproteste haben die Anwendung in NRW vorerst verhindert und die Anwendung in Hessen bis 2024 und in Schleswig-Holstein bis 2025 verschoben.
  • Unabhängig davon haben die Gemeinden die Möglichkeit, im Rahmen ihrer Abwassersatzung eine Dichtigkeitsprüfung vorzuschreiben.
  • So hat z.B. die Stadt München von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Sie verlangt eine Erstprüfung bis 2015 und eine Wiederholungsprüfung nach 20 Jahren.

Die Frage ist also, warum manche Städte vorgeprescht sind und nicht ebenso wie andere Gemeinden oder die Länder NRW, Hessen oder Schleswig-Holstein solch eine Prüfung in die Zukunft verschoben hat, nachdem der Nutzen umstritten ist. Wollen manche Städte „Musterschüler“ sein? Glaubt man denn, der Bürger würde heute genügend überflüssiges Geld haben und könne deshalb die Kanalsanierungsfirmen sofort wirtschaftlich fördern?

Haben die für diese „Dichtigkeitsprüfung“ Verantwortlichen noch nicht mitbekommen, dass Haus- und Wohnungseigentümer gerade in der letzten Zeit mit einer Fülle von neuen Kosten belastet wurden:

  • Höhere Grundsteuer,
  • neue Zähler für die Erfassung des Energieverbrauchs für das warme Wasser,
  • Kosten der Trinkwasserverordnung,
  • Aufwendungen aus der EnEV und
  • ein drastischer Anstieg der Energiepreise usw., usw.
Hinzu kommt, dass zuerst die öffentlichen Abwasserkanäle dicht sein müssen. Denn was bringt eine dichte private Leitung, wenn der Großkanal noch nicht dicht ist.
Wenn in Ihrer Region Dichtigkeitsprüfungen der privaten Abwasserleitungen bis zum 31.12.2015 gefordert werden sollten, so kann ein schriftlicher oder auch persönlicher Protest beim zuständigen Landtagsabgeordneten, den Stadtratsfraktionen und beim Bürgermeister sinnvoll sein!
Fordern Sie die Aussetzung/Verschiebung der Dichtigkeitsprüfung wie z.B. in NRW, Schleswig-Holstein und Hessen und beschweren Sie sich über die Ungleichbehandlung in Ihrer Region. Und verlangen Sie vor allem einen Nachweis für die Dichtheit der öffentlichen Abwasserkanale.

Von solchen Dichtigkeitsprüfungen betroffene Haus- und Wohnungseigentumsbesitzer können sich mit Ihrem Fall wenden an

Hausgeld-Vergleich e.V.,Gehrestalstraße 8, 91224 Pommelsbrunn,
Tel.: 09154/1602, E-Mail: hausgeld-vergleich@t-online.de

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