Presse-Info 21.1.2011
Anlässlich der BAU 2011:
Positionspapier von Hausgeld-Vergleich e.V.
zur EnEV und zum energetischen Sanierungskonzept
der Bundesregierung für Bestandsimmobilien
Anlässlich der Vortragsreihe auf der BAU 2011 zur energetischen Sanierung der vorhandenen Bausubstanz, stellte Vorstand Norbert Deul von Hausgeld-Vergleich e.V. klar, dass derzeit die Vorgaben und Vorstellungen der Bundesregierung an den finanziellen Möglichkeiten eines erheblichen Anteils der Wohnungseigentümer als auch Mieter vorbeigehen. Gesucht wird vor allem bezahlbarer Wohnraum.
Den selbst nutzenden Eigentümer und Mieter trifft die Kostenlast aus der EnEV in voller Härte, ohne dass überhaupt die Chance besteht, die Aufwendungen für energetische Verbesserungen der Bausubstanz durch Einsparungen an Energie in einem überschaubaren Zeitrahmen nach heutiger Kenntnis zu erwirtschaften. Deshalb lassen sich die Vorschläge der Bundesregierung einem wirtschaftlichen vernünftig denkenden Eigentümer nicht vermitteln.
Hausgeld-Vergleich kritisierte deshalb massiv, dass sich Ministerialrat Günther Hoffmann vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung von den Forderungen der Immobilienwirtschaft als auch von Verbraucherseite nicht beeindrucken ließ, die erneute Verschärfung der EnEV zum Jahre 2012 vorerst auszusetzen.
Hausgeld-Vergleich e.V. fordert eine Verlässlichkeit der Vorgaben aus der EnEV über einen längeren Zeitrahmen, der offensichtlich von der Bundesregierung nicht zugestanden wird. Aus diesem Grunde präsentiert Hausgeld-Vergleich e.V. ein Positionspapier zur EnEV, wie es von wirtschaftlich vernünftig denkenden Fachleuten des Vereins entwickelt wurde:
Unsere Position zu den Forderungen der EnEV
Investitionen zur CO2-Ausstoßverhinderung und “Luftdichtmachung” von Bestandsimmobilien stellen aus unserer Sicht überwiegend Fehlinvestionen dar, die sich für den Wohnungsbesitzer in einem betriebswirtschaftlich vernünftigen Rahmen nicht amortisieren.
Dies gilt im erhöhten Maße, wenn vor allem auch die bekannten Wartungskosten der Außenwanddämmsysteme (Beseitigung von Spannungsrissen nach wenigen Jahren, Veralgungen, Vogelverpickungen usw.) mit einfließen.
Der Aufwand für die Instandsetzung von Wärmedämm-Verbundsystemen liegt mit 16,43 €/qm um das 2,3-fache höher als bei einer verputzten Fassade mit 7,08 €/qm, was eine Untersuchung des Instituts Bauforschung Hannover ergab (Quelle: Dirk Fanslau-Görlitz, Altas - Bauen im Bestand, Verlagsgesellschaft Müller, 2008, Kapitel I. 3: Nachhaltige Modernisierung, Seite 59).
Mögliche Schadensbilder an Wärmedämm-Verbundsystemen
Aus unserer Beratungspraxis können wir die in der Buchreihe “Schadenfreies Bauen” von Erich Cziesielski und Frank Ulrich Vogdt” aufgezeigten “Schäden an Wärmedämm-Verbundsystemen (Fraunhofer IRB Verlag) bestätigen:
  • Ungenügende Beachtung problematischer Untergründe vor der Aufbringung des Systems. Dazu gehören staubige bzw. sandige Untergründe, Untergründe mit Farbanstrich, nasse Untergründe oder Tauwasserbildung und Holzwerkstoffplatten.
  • Fehlerhafte Verklebung durch zu geringen Kleberauftrag, sonstige mangelhafte Verklebung, fehlender Anpressdruck, Streckung des Klebers durch Sandzusätze.
  • Mängel bei der Dämmmaterial-Verarbeitung durch UV-Schädigungen von Polystyrol-Dämmplatten, unzureichende Querzugfestigkeit von Mineralfaser-Platten, Verlegung mit Kreuzfuge, klaffende Stoßfugen, Höhenversatz im Bereich der Stoßfugen.
  • Fehlerhafter Dübeleinsatz und -verarbeitung.
  • Fehler im bewehrten Unterputz durch Überlappungen des Gewebes, fehlende Diagonalbewehrung im Bereich von Öffnungsecken, Falten im Gewebe, ungeeignete Gewebe.
  • Mängel im Deckputz/Schlussbeschichtung durch fehlenden Voranstrich, Nichtbeachtung der notwendigen Verarbeitungstemperaturen.
  • Besondere Gefahren bei keramischen Belägen durch ungeeigneten Fugenmörtel, Rissbildungen, Risse in den Dehnungsfugen.
  • Algenbildung
  • Fehlerhafte Detailverarbeitungen bei Fugen, Fensterbänken, Blendrahmenanschlüssen, Attikaausbildungen und im Sockelbereich, ungenügende Stoßfestigkeit, undichte Durchdringungen, Spechtschäden, Wegschmelzen des Systems bei Brandschäden.
Wir kritisieren wie Prof. Dr. Ing. Meier den “Dämmwahn
Prof. Dr.-Ing. habil. Claus Meier propagierte das Wort von einem “Dämmwahn””, da aus seiner Sicht heutiges Bauen ein fragwürdiges technisch-wissenschaftliches Niveau erreicht hat. Er führt deshalb in seinem Fachbuch “Verwildertes Bauen - kriminelle Netzwerke zerstören Bauten und Glaubwürdigkeit” (Expert-Verlag 2010) u. a. aus:
“... In diesem Sinne muss dann sogar von einem Wahn gesprochen werden, denn das bautechnische Handeln grenzt an ein absurdes Theater. Das beginnt schon bei der einseitigen Problem-Reduzierung auf “Energieeinsparung” und “Minderung der Treibhausgase (eine Fata Morgana). ... Bei diesen “Dämmorgien“ wird sehr schnell die Schwelle zur Unwirtschaftlichheit, eben zur Effizienzlosigkeit erreicht, d.h. der Bereich der Unsinnigkeit.”
Unterschätzung der Zusatzkosten bei der Anbringung von Wärmedämmverbundsystem aus unseren Erfahrungen:
Die Anbringung der derzeitigen 14-16 cm dicken Außendämmung führt zu erheblichen - oft anfänglich verschwiegenen - Zusatzkosten, die üblicherweise sind:
  • Abbau sämtlicher Außenmarkisen und Fensterrollos, Abbau der Regenwasser-Ableitungsrohre, Abbau der Außenlampen und -steckdosen, Briefkästen und Klingelanlagen usw.
  • Eventuelle Verlängerung des Dachüberstandes.
  • Austausch der Fenster und Türen, wenn die Dämmung fachgerecht auch in den Öffnungen seitlich angebracht wird und jetzt in vorhandenen Fenster und Türen ragen würde (dadurch dann verkleinerte lichte Fenster- und Türenflächen).
  • Neue schmälere Fensterrollos.
  • Neue verlängerte Fensterbretter.
  • Neue verlängerte Halterungen für Regenrinnen und -ablaufrohre.
  • Neue Anpassung von Balkongeländern und Markisen.
  • Neuinstallation der Außenlampen, -steckdosen, und -wasserhähne, Briefkästen, Klingelanlagen.
  • Verkleinerte Balkonflächen.
Deshalb stellt Hausgeld-Vergleich e.V. für betroffene Eigentümer Hilfen zur Verfügung
Als Verbraucherschutzverein, der betroffene Eigentümer vor unnötigen und unwirtschaftlichen Kosten bewahren will, bieten wir Amortisationsberechnungen und Argumentationshilfen für Eigen-tümerversammlungen an, um damit unsinnige Beschlussfassungen der Eigentümer zu verhindern.
Dabei vertritt Hausgeld-Vergleich e.V. die Auffassung, dass die Einflussnahmemöglichkeit des Menschen auf das Klima maßlos und gezielt von interessierten Kreisen übertrieben wird.
Hausgeld-Vergleich e.V. vertritt folgende Forderungen als Verbraucherschutzverein im Interesse der Eigentümer und Mieter
  1. Mit Methoden eines konsequenten Kostenmanagements sind die Aufwendungen für energetische Sanierungen zu minimieren. Hier sind die Industrie, die Ingenieure, Architekten, Handwerker und Dienstleister gefordert. Denn die derzeitige ungünstige Kosten/Nutzen-Relation ist unzumutbar, wie sie sich in der Praxis zeigt.
  2. Es kann auch keine staatliche Aufgabe sein, fehlende Betriebswirtschaftlichkeit bei energetischen Maßnahmen auf Dauer mit Steuermitteln auszugleichen.
  3. Der von den Gerichten als richtig erkannte Amortisations-Zeitraum von 10 Jahren sollte als sinnvolles Ziel nicht in Frage gestellt werden. Denn verlässliche gute Parameter schaffen Sicherheit für Entscheidungen und schützen den Verbraucher.
  4. Geschönte PR-Berichterstattung über die angeblichen Kostenerfolge energetischer Maßnahmen in der Presse müssen verschwinden. Sie zielen auf die sachliche Unkenntnis der Leser ab und werden als reine Zweckberichte interessierter Kreise schnell anhand von Überschlagsrechnungen entlarvt.
  5. Man muss statt dessen den Mut haben, klipp und klar zu sagen, dass energische Maßnahmen an Bestandsimmobilien derzeit mehr kosten als sie an messbarer Ersparnis in einem überschaubaren Zeitraum einbringen und daran arbeiten, dass sich das ändert, wenn man diesen Weg weiter beschreiten will.
  6. Vor allen Fördermaßnahmen ist die grundsätzliche Frage zu klären, ob staatliche Fördermittel nicht sinnvoller eingesetzt werden sollten als in unwirtschaftliche Energie-Einspar-Investitionen, wie sie mit der Plastik-Verpackung der Häuser erfolgt.
  7. Die wachsende Energiebedarfsmenge wird mit Einsparungen nicht zu lösen sein, so dass mit Hochdruck daran zu arbeiten ist, unverzüglich umweltverträgliche und zuverlässige Energiearten bereit zustellen. Somit können staatliche Förderungen und private Investitionen nur in die Erschaffung preiswerter, speicherungsfähiger und umweltverträglicher Energie volkswirtschaftlich sinnvoll sein. Dabei ist klar, dass weder Solar- noch Windenergie zuverlässige Energiearten sind, so dass zuerst deren Speicherfähigheit zu lösen ist. Die angeblich erforderliche CO2-Reduzierung erledigt sich mit umweltverträglicher und ausreichender Energie von allein, so dass betriebswirtschaftlich unsinnige Investitionen in CO2 Reduzierung überflüssig sind.
  8. Die Luftdichtmachung von Wohnungen ist ein bautechnischer Irrweg, der zu einer verstärkten Innenfeuchtigkeit und der Gefahr der gesundheitsgefährdenden Schimmelbildung sowie einer erhöhten Schadstoffbelastung der Raumlust führt. Das amtlich erzwungene Dämmen und Dichten wird von vielen Baufachleuten als Fehlentwicklung bezeichnet.
    Dieser fachlich richtigen Auffassung schließen wir uns an.
21.1.2011 - Norbert Deul - Vorstand

Kontakte und weitere Details und Infos:
Hausgeld-Vergleich / Hausverwalter-Check e.V., Gehrestalstraße 8, 91224 Pommelsbrunn b. Nbg.
Tel. 09154/1602, Fax 09154/914721, Internet: www.hausgeld-vergleich.de
E-mail: hausgeld-vergleich@t-online.de
Zurück