Wiederholt haben wir bereits vor der Umstellung von Verdunstern auf elektronische Messgeräte an einer Einrohrheizung gewarnt. Zusätzlich haben wir sowohl das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz als auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherung auf das ungelöste Problem bei der Heizkostenabrechnung hingewiesen und Lösungen angemahnt. Die für das Problem zuständige Ministerialrätin hat uns an Verein Deutscher Ingenieure e.V. (VDI) verwiesen. Von dort soll die Lösung kommen. Wir haben deshalb Kontakt wie folgt aufgenommen:
Hausgeld-Vergleich e.V., Gehrestal 8, 91224 Pommelsbrunn
VDI
Fachbereich Technik und Wissenschaft
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf
per Einwurf/Einschreiben
28.4.2015
Kontaktaufnahme auf Empfehlung des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
Sehr geehrte Damen und Herren,
von Frau Ministerialrätin Sabine Bohndick (SW II 5) erhielten wir die Empfehlung, uns wegen unserer Fragen und unseres Anliegens für vertretbare Heizkostenabrechnungen an Einrohrheizungen an Sie zu wenden, was wir hiermit tun.
Es geht uns um
  1. die Verhinderung einer Vielzahl von gerichtlichen Verfahren, die in ganz Deutschland wegen unzumutbarer Abrechnungsmethoden an Einrohrheizungen mittels elektronischer Messgeräte eingeleitet werden müssen,
  2. die Verhinderung unterschiedlichster gerichtlicher und sich teilweise total widersprechender Entscheidungen an den Gerichten über die Verwertbarkeit der erfassten Daten an Einrohrheizungen mittels elektronischer Messgeräte,
  3. schließlich um einigermaßen gerechte Heizkostenverteilungen für Mieter und Wohnungseigentümer, die vor der Umstellung von Verdunstern auf elektronische Messgeräte an Einrohrheizungen nicht über die deshalb zu erwartenden Kostenexplosionen informiert wurden und
  4. eine eventuell erforderliche Neubewertung über die Einsatzfähigkeit von elektronischen Messgeräten an Einrohrheizungen.
Wir dürfen Sie zunächst zum besseren Verständnis unseres Anliegens über unser Schreiben an das zuständige Bundesministerium informieren, das mit der Fragenbeantwortung aus unserer Sicht überfordert war und uns deshalb an Sie verwiesen haben dürfte.
Unser Schreiben lautete:
Hausgeld-Vergleich e.V., Gehrestalstr.8, 91224 Pommelsbrunn
An das Bundesministerium für
Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherung
Frau Ministerialrätin Sabine Bohndick - SW II 5
Stresemannstraße 128 - 130
10117 Berlin
Initiative zur Installation einer Arbeitsgruppe mit Zielsetzung:
“Schaffung einer vertretbaren Heizkostenverteilung bei einer Einrohrheizung”
Sehr verehrte Frau Ministerialrätin Bohndick,
in der obigen Sache hatten wir uns zunächst an Herrn Marx von Justizministerium gewandt, der jedoch auf Ihre Zuständigkeit auf die Ausgestaltung der Heizkostenverordnung hinwies.
Anlässlich des Telefonats mit dem Unterzeichnenden hatten Sie dies freundlicherweise bestätigt.
Deshalb wenden wir uns mit einem dringenden Anliegen an Sie, dessen befriedigende Lösung die Überlastung der Gerichte sowohl mit Wohnungseigentums- als auch mit Mietrechtssachen erheblich reduzieren könnte und für eine gerechtere Verteilung der Heizkosten sorgen könnte.
Das zu lösende Problem:
Wir dürften derzeit noch rund eine Million Wohnungen in Deutschland haben, die ihre Raumwärme über eine sog. Einrohrheizung erhalten. Bei einer Einrohrheizung erhalten die Wohnungen, die am Leitungsanfang liegen, bereits soviel Abstrahlwärme von den Heizrohren, dass sie ihre Ventile an den Heizkörpern nicht oder kaum aufdrehen müssen. Die Wohnungen die am Leitungsende liegen, erhalten systembedingt in den Heizrohren bereits abgekühltes Wasser, so dass in diesen Wohnungen die Ventile an den Heizkörpern auf Dauer voll aufgedreht werden müssen, um die Wohnungen ausreichend temperieren zu können.
Dadurch kommt es zu nicht mehr tolerablen Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der Heizkosten.
Der Wechsel von den früher üblichen Messgeräten auf Verdunstungsbasis zu elektronischen hat die schon immer vorhandene Verteilungs-Ungerechtigkeit unzumutbar vergrößert.

Die Heizkosten in manchen Wohnungen explodieren nach der Umstellung der Messgeräte regelrecht, obwohl sich das Verbrauchsverhalten nicht geändert hat. Die Folge sind eine Fülle von Rechtsstreitigkeiten um eine gerechte Verteilung, die nach der Lösung des Problems vermieden werden könnten.

Das beigefügte Urteil 2 C 554/12 des Amtsgerichts Vaihingen zeigt eindrucksvoll den Wahnsinn der beschriebenen Kostenverteilungs-Ungerechtigkeit bei solch einer Kombination.
Ein Mieter sollte für seine 2-Zimmerwohnung im 5. Stock 6.148,20 € ! an Heiz- und Warmwasserkosten zahlen (Anlage 1).

Der zu diesem Verfahren gerichtlich zugezogene Sachverständige Adolf Krohn erklärt die Unbrauchbarkeit der dortigen “Verbrauchserfassung“ (Auszug aus Gutachten als Anlage 2).

Die beigefügte Verteilgrafik (Anlage 3) zeigt eine typische Verteilung der Verbrauchskosten in einer Wohnanlage in München nach der Umstellung von Verdunstern auf elektronische Heizkostenverteiler, wie wir sie vergleichbar auch bei anderen Wohnanlagen in ganz Deutschland vorfinden.

  • Im vorliegenden Falle haben 10 Eigentümer keine Verbrauchswerte, weil ihnen die Rohrabgabewärme zur Temperierung ihrer Wohnungen ausreicht.
  • Weitere 15 Eigentümer, die ebenfalls noch im vorderen Bereich der Heizrohrleitungen liegen, haben unterdurchschnittliche Verbrauchswerte.
  • 7 Eigentümer haben Verbrauchswerte im Bereich des Durchschnitts
  • Und die restlichen 9 Eigentümer, deren Wohnungen im Bereich des Heizrohrleitungs-Ende liegen, sind die Looser des Systems. Sie bezahlen bis zu 3 x mehr als der Durchschnittswert zeigt oder bis zu 200% mehr als dies vorher bei den Verdunstern der Fall war.

Die Verbrauchskostenbelastungen reichen in dieser Wohnanlage von 0,00 € bis 18,54 € je qm Heizfläche im Jahr. Die Wohnanlage ist bereits energetisch gut gedämmt, doch leider noch mit einer Einrohrheizung versehen. Genauso ist es bei vielen anderen Wohnanlagen unserer Vereinsmitglieder.

Die Beseitigung solcher Verteilungs-Ungerechtigkeiten sind derzeit aus folgenden Gründen nicht erreichbar:

  • Die Anbieter der Messgeräte (Techem, Ista, Brunata, Kalo usw.) sehen keinen Grund zur Schaffung geeigneter neuer Messsysteme, weil der Gesetzgeber und die Gerichte die Kombination von Einrohrheizungen mit elektronischen Messgeräten als zulässig beurteilen (mutmaßlich in Unkenntnis der konkreten Auswirkungen).
  • Einvernehmliche außergerichtliche Lösungen des Verteilungsproblems kommen nicht zustande, weil die bevorteilten Wohnungsbesitzer ihre Zahlfreiheit von Verbrauchskosten nicht freiwillig aufgeben wollen.
  • Lösungsansätze von Immobilienverwaltern werden nicht vorgeschlagen, weil es nicht um deren Kosten geht.
  • Die Ablesefirmen verschweigen die auftretenden Verteilprobleme vor dem Verkauf ihrer elektronischen Messgeräte, um ihre Geräte absetzen zu können.
  • Die Gerichte urteilen zur Sache vollkommen unterschiedlich. So hält das Landgericht Nürnberg/Fürth die Kombination Einrohrheizung/elektronische Messgeräte für nicht geeignet (Az. 12 O 4361/10). Das Landgericht München I hält diese Kombination demgegenüber für vertretbar und vertritt sogar die Meinung, dass bereits eine Erfassung von nur 20% !! der von einer Heizanlage abgegeben Wärme ausreicht, um eine gerechte Verteilung der Kosten zu sichern (Az. 36 S 12255/12 WEG).
  • Eine höchstrichterliche Beurteilung durch den Bundesgerichtshof ist bisher wegen § 62 Abs. 2 WEG nicht möglich gewesen.
  • Eine Korrektur der Messwerte mittels der Rechenausgleichsmethode VDI 2077 ist nur innerhalb der willkürlich anmutenden Referenzwerte einsetzbar, aus Verbraucher- und Gutachtersicht deshalb höchst umstritten und bringt für die Praxis keine befriedigenden Ergebnisse.
Unsere Fragen zunächst an Sie oder die im Ministerium zuständige Stelle:
  1. Halten Sie solch eine Verteilung, wie sie die Grafik zeigt, für gerecht, nachvollziehbar und deshalb für zumutbar?
  2. Was halten Sie von dem Münchner Gerichtsurteil, in dem die Richter der Meinung waren, dass bereits Erfassungsraten von 20% der Heizenergie ausreichen, um zu einer gerechten Kostenverteilung zu kommen?
  3. Entspricht es den Zielen der Energieeinsparverordnung, wenn bei einer Heizanlage nur 20% der abgebenden Heizenergie gemessen und somit nur dieser kleine Anteil durch die Nutzer im Sinne einer CO2-Einsparung beeinflusst werden können?
Wir erbitten eine kurzfristige Antwort auf unsere Fragen und eine kurze Stellungnahme zu unserem Vorschlag
Installation einer Arbeitsgruppe mit der Zielsetzung:
“Schaffung einer vertretbaren Heizkostenverteilung bei einer Einrohrheizung”
Eine ehrenamtliche Mitarbeit mit unseren Daten bieten wir an.
Mit freundlichen Grüßen

Norbert Deul - Vorstand
Anlagen 1 - 3
Da unsere Fragen 1. - 3. nicht vom Ministerium beantwortet werden konnten, bitten wir nun Sie höflichst um eine zeitnahe Beantwortung.
Ferner regen wir an, das aus unserer Sicht auch mit VDI 2077 ungelöste Problem einer einigermaßen zutreffenden Verbrauchserfassung neu aufzugreifen. Es ist für den Unterzeichnenden nicht nachvollziehbar, dass es in einem hochtechnisierten Land wie Deutschland nicht möglich sein soll, Messgeräte herzustellen, die den tatsächlichen Wärmeverbrauch einer Wohnung ermitteln können, egal ob diese Nutzwärme von Heizrohren oder den Heizkörpern kommt.
Wir sahen uns gezwungen, wegen der unerfreulichen und unzumutbaren Situation für Mieter und Wohnungseigentümer eine erste Warnung vor der Umstellung von Verdunstern auf elektronische Messgeräte zu verfassen, die wir ebenfalls zu Ihrer Kenntnis beifügen.
In Erwartung Ihrer geschätzten Antwort und zeitnahen Lösungen
mit freundlichen Grüßen
Norbert Deul - Vorstand
  • Erwähnte Anlagen 1 - 3
  • Unsere vorläufige Warnung
Wichtig für Sie als betroffener Wohnungseigentümer oder Mieter
Wir erhielten eine Zwischennachricht vom VDI, dass unser Anliegen an den zuständigen VDI-Richtlinienausschuss zur Bearbeitung weitergegeben wurde. Wenn Sie ebenso von ungerechten Abrechnungen wegen der Kombination Einrohrheizung/elektronische Messgeräte betroffen sind, so schreiben Sie ebenfalls an die von uns kontaktierten Stellen (Frau Ministerialrätin Sabine Bohndick und Herrn Dipl.-Phys. Thomas Wollstein beim VDI).
Und wichtig: Senden Sie uns eine Kopie Ihres Schreibens oder E-Mail zur Kenntnis
Hausgeld-Vergleich e.V., Gehrestalstraße 8, 91224 Pommelsbrunn, hausgeld-vergleich@t-online.de
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