Beim Zweirohrheizsystem kommt in einem Rohr das warme Wasser zu den Heizkörpern und das im Heizkörper etwas abgekühlte Wasser fließt in einem zweiten Rohr ab.
Bei der Einrohrheizung fließt dagegen das im Heizkörper etwas abgekühlte Wasser wieder in das gleiche Heizrohr, in dem das warme Wasser ankommt. Dies hat zur Folge, dass die Wohnungen, die am Ende des Systems liegen, statt ca. 60 Grad warmen Wasser teilweise nur noch handwarmes Wasser erhalten können. Die Wohnungen, die am Anfang des Systems liegen, werden oft schon mit der Abstrahlwärme der Heizrohre ausreichend beheizt. Ein Aufdrehen der Ventile an den Heizkörpern ist kaum erforderlich.
Bei einer Umstellung von Verdunstern auf die modernen elektronischen Messgeräte kommt es immer wieder zu Kostenexplosionen bei den Heizkosten in den Wohnungen, die nur noch abgekühlteres Wasser erhalten können. Trotzdem wird dieses auftretende Problem immer noch von vielen Verwaltern und den Ablesefirmen vor der Umstellung des Messsystems verschwiegen oder bagatellisiert. Dann kann es zu extremen Kostenspreizungen kommen, die in der Regel zu massivem Streit und Gerichtsverfahren in einer Wohnanlage führen können.
Beim Umstieg von Verdunstern auf die elektronischen Messgeräten kann es zu Verbrauchskostenerhöhungen von über 400% bei manchen Eigentümern/Mietern kommen. Faire Lösungen solcher Verteilprobleme sind in der Praxis nur schwer erreichbar, weil die durch die Rohrabgabewärme begünstigten Bewohner ihre Kostenvorteile nicht aufgeben wollen und sich Verteilerschlüsseländerungen, der Anwendung von VDI 2077 oder einem Rückbau zu Verdunstern widersetzen.
Deshalb vorsorglich Finger weg von elektronischen Messgeräten an Einrohrheizungen, wenn die Heizanlage nicht genau auf das neue System abgestimmt wird.
Verdunster messen anders und deshalb kommt es nicht zu solchen extremen Kostenspreizungen.
Ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und es kommt dann über die in der Regel extrem ungerechte Kostenverteilung zum gerichtlichen Streit, so kann derzeit keine Prognose zum Ausgang solch eines Verfahrens gegeben werden.
Es kommt auf das Gericht an, an dem eine gerichtliche Klärung beantragt wurde. Es gibt noch keine höchstrichterliche Entscheidung (BGH) zum Thema, weil bisher alle mit der Sache befassten Landgerichte eine Revision und einheitliche Rechtsmeinung des BGH verweigert haben - möglicherweise um vor solchen Systemen nicht warnende Verwalter und Ablesefirmen zu schützen. Während z.B. in einem Mietrechts-Verfahren im Raum Stuttgart eine Heizkostenabrechnung von über 5.000,- € ! für unheilbar falsch beurteilt wurde, erklärte ein Stuttgarter WEG-Landgericht solch eine Abrechnung für den vermietenden Wohnungseigentümer für ok.
Das ist heutige deutsche Rechtsprechung - irrer geht’s nicht.
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