Anlässlich des neuen Falls in Stuttgart, wo ein Hausverwalter rund 100.000 € allein von einer Malerfirma als „Provision“ für WEG-Aufträge erhielt, stellte der Vorsitzende Richter der 14.Strafkammer, Hartmut Schnelle, fest:
„Was in der Branche als Provision gilt, ist in Wahrheit Bestechung.“
So war es einer Stuttgarter Tageszeitung zu entnehmen. Unser Verwaltungsbeirat Ulrich, bekannt bereits aus seinem früheren Bericht „Krasse Fälle?“ hat uns seinen Test übermittelt, wie er feststellten kann, ob ein Verwalter nicht korrupt oder doch korrupt ist.
Lesen Sie, was uns Herr Ulrich für einen Vorschlag macht
und teilen Sie uns Ihre Beobachtungen mit!
„Ich gehe das Thema rein wissenschaftlich an.
Ich stelle die These auf: „Meine Hausverwaltung ist korrupt".
Die Antithese dazu ist: „Meine Hausverwaltung ist nicht korrupt".
Beides, These und Antithese nennt man auch Hypothese.
Ich lasse jetzt mein Gedächtnis schweifen und suche nach Gegebenheiten, Ereignissen, Fakten, die diese These untermauern oder widerlegen. Dabei vergebe ich Punkte von -6 „mit Sicherheit nicht korrupt" über Null bis +6 „mit Sicherheit korrupt".
Jetzt zur Praxis des Tests anhand von Gegebenheiten, die sich zugetragen haben:
(1) Der Schließzylinder unserer zentralen Schließanlage an unserer Haustür klemmt. Nach der Arbeit komme ich zufällig an einem Schlüsseldienst vorbei, ich parke und frage. Der Schließzylinder würde 40,00 € kosten. Nein, die Bestellung für einen neuen Zylinder kann nicht entgegengenommen werden, eine Bestellung kann nur durch die Hausverwaltung erfolgen. Ich gehe, und rufe am nächsten Tag bei der Hausverwaltung an und lasse einen neuen Schließzylinder bestellen. Der trifft auch nach ein paar Tagen bei mir ein und wird von mir eingebaut (eine einzige Schraube muss dabei gelöst werden). Soweit so gut.
Jetzt passiert ein Fehler bei der Hausverwaltung. Sie verwechselt Haustüre mit Wohnungstür. Ich erhalte die Rechnung des Schlüsseldienstes zur Begleichung. Ich mache sofort eine Kopie. Ich rufe wieder bei der Hausverwaltung an, kläre den Sachverhalt und schicke dann die Rechnung an die Hausverwaltung zurück. Ich schaue mir jetzt die Rechnung genau an: Rechnungsbetrag: 150,00 €. So was. Nach der Arbeit komme ich wieder an diesem Schlüsseldienst vorbei, ich parke und frage nach dem Preis eines neuen Schließzylinder. Den alten Schließzylinder habe ich dabei und lege ihn als Muster vor: Ja, der Schließzylinder würde 40,00 € kosten. Ich frage zur Sicherheit nochmals: 40,00 €?. Jetzt lege ich die Rechnung auf den Tisch und verlange Aufklärung.
Die Chefin des Schlüsseldienstes kriegt einen knallroten Kopf, kann im Moment nur stottern. Nach einer Weile, nach dem sie sich etwas beruhigt hat, faselt sie von einem Fehler, der von ihr gemacht wurde und verspricht eine neue richtige Rechnung.
Seit diesem Tag weiß ich, (a) dass unsere Hausverwaltung korrupt ist und (b) meine Hausverwaltung weiß, dass ich weiß, dass sie korrupt ist.
Auch weiß ich jetzt (c) mit welchen Margen da gerechnet wird.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +5
(2a) Die Heizkostenabrechnung:
Unsere Hausverwaltung vergibt die Heizkostenabrechnung an eine externe Firma. Eine Aufgabe der Hausverwaltung ist nun mal die Abrechnung. Warum macht meine Hausverwaltung die Heizkostenabrechnung nicht selbst? Im Internet werben viele Hausverwaltungen damit, die Heizkosten selbst abzurechnen. Warum nicht meine Hausverwaltung? Die Vergabe der Heizkostenabrechnung an eine externe Firma ist ein Indiz dafür, dass da etwas „im Busch" ist.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +2
(2b) Die Abrechnung der Heizkosten über diese externe Firma ist extrem teuer. Ablesen eines elektronischen Wärmezählers kostet 5,14 Euro, das Ablesen eines Warmwasserzählers kostet 6,95 Euro. (Rechnung 933267 vom 28.02.2010). Das ist ein exorbitanter Preis für eine minimale Leistung. Vor allem da die Ablesung an einen Subunternehmer vergeben wird.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +3
(2c) Die Abrechnung der Heizkosten ist extrem teuer. Verlangt werden für die Abrechnung 71,88 Euro. Für den Postversand nochmals 21,30 Euro. (Rechnung wie vor). Das ist ein exorbitanter Preis für eine minimale Leistung. Heizkostenabrechnung ist einfach. Ich recherchiere im Internet „kostenlose Heizkostenabrechnung mit Excel" und erhalte 54200 Treffer.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +3
(2d) Der Stichtag unser Abrechnung war 30. April. Am 8. Mai erfolgte eine zusätzliche Ablesung, also zwei Ablesungen im Jahr, beide zu den gleichen exorbitanten Kosten, nur um den Abrechnungszeitraum auf den 31.12. zu verlegen.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +4
(2e) Bei der Hauseigentümerversammlung reklamiere ich die unnötige zusätzliche Ablesung, weiterhin reklamiere ich die fehlende Einwilligung der Eigentümer dazu. Ich erhalte von der Hausverwaltung die „schnippige" Antwort: „Gesetzliche Vorgaben seien zu befolgen!“ Später recherchiere ich im Internet: Nein, es gibt keine gesetzlichen Vorgaben, ich bin schlicht belogen worden. Ich werde in Zukunft bei dem Wort „gesetzlich" ganz besonders hinsehen und aufpassen!
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +5
(2f) Bei der Hauseigentümerversammlung stellt ein Eigentümer den Antrag, die Verdunstungszähler durch elektronische Zähler zu ersetzen. Diese zu kaufen.
Dem wird stattgegeben.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +0
(2g) Die folgende Heizkostenabrechnung ist noch teuerer wie vor. Für das Ablesen und Austauschen der Verdunstungszähler, mit Aufschreiben der Zahlen auf Papier und Eintippen dann für die Abrechnung wurde etwa eine Minute Zeit pro Röhrchen benötigt, für unser Haus zusammen etwa 52 Minuten, die Ablesung der elektronischen Geräte dauert etwa 2 bis 3 Sekunden pro Gerät, in 4 bis 6 Minuten ist das Haus komplett abgelesen. Trotzdem erfolgte keine Anpassung der Preise. Die Wärmezähler wurden von uns gekauft, trotzdem versäumte es die Hausverwaltung, absichtlich oder auch nicht, die Preise der Ablesung nach zu verhandeln.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +4
(2h) Ich erhalte am 31.05.2010 mit der Post die Einladung zum 15.06.2010 zur Hauseigentümerversammlung . Dabei ein „nicht verlangtes" Angebot: Austausch der elektronischen Wärmezähler. Sechs Punkte gefallen mir überhaupt nicht:
(a) Warum eine neue Versammlung, die letzte war am 23.02.2010, also vor vier Monaten.
(b) Wer „bezahlt" eigentlich die Hausverwaltung für diese vielen Versammlungen?
(c) Auf der Tagesordnung steht Abstimmung über ein „nicht verlangtes" Angebot.
(d) Wobei neue Wärmezähler nicht benötigt werden, die vorhandenen wurden am 06.07.2002 eingebaut, vor 7 Jahren, wobei die Batterielebensdauer 10 Jahre „mit Reserve" beträgt.
(e) Ein Wärmezähler, welcher € 19,09 (in Worten: neunzehn Euro, mit Einbau) pro Stück kostete (Rechnung 210556478 vom 02.10.2002) soll uns jetzt für 10 (zehn) Jahre „gemietet" werden.
(f) Als Allerletztes: auf dem Angebot ist unsere Hausverwaltung als Vertreter der Heizkostenabrechnungsfirma aufgeführt, mit der „Vertreter-Nummer 360676".
Dazu ist nichts mehr zu sagen!
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +6
(3a) Ich erhalte am 12.02.2010 Post von der Hausverwaltung für eine Terminvereinbarung. Ein Ingenieurbüro will den Heizöltank besichtigen. In der Terminvereinbarung dieses Ingenieurbüros steht der ominöse, bereits bekannte Satz: „gemäß den geltenden gesetzlichen Vorschriften". Bei diesem Satz schalten bei mir, wie immer, alle Ampeln auf dunkelrot. Ich recherchiere: die letzte Prüfung unseres Heizöltankes fand am 20.10.2009 vom TÜV Süd statt, ohne Beanstandungen, eine Prüfplakette wurde im Heizraum angebracht, darauf der Termin der nächsten Überprüfung: 11/2014.
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +6
(3b Ich recherchiere nach dem Ingenieurbüro, welches diese Besichtigung unseres Heizöltankes vornehmen wollte: Telefonnummer: es wird nur eine Handy-Nummer angegeben. Eintrag im gedruckten Telefonbuch: Nein. Eintrag auf meiner Telefonbuch CD: Nein. Sind Büroräume an der angegebenen Adresse: Auch nein, nur ein Briefkasten ist vorhanden. Ich rufe die Handy-Nummer an: der Gesprächsteilnehmer an diesen Handy ist sehr kooperativ, höflich und sehr gut geschult. Binnen einer Sekunde kapiert er, was ich meine und rudert voll zurück:
„Vielen Dank für Ihren Anruf, da ist ein Fehler bei der Gemeindeverwaltung passiert, vielen Dank auch, dass Sie uns die unnütze Anfahrt erspart haben, und selbstverständlich ist keine neue Untersuchung mehr notwendig, und bla bla bla".
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +6
(3c) Am 23.02.2010 ist Hauseigentümerversammlung. Die Hausverwaltung überschüttet mich sofort mit einer sehr giftigen Schimpfkanonade. Mit lauter, kreischender, sich überschlagender Stimme. Dann versucht sie, die Miteigentümer gegen mich aufzuhetzen:
„Sie lassen es zu, dass Handwerker weggeschickt werden, Sie lassen es zu, dass wichtige Untersuchungen unterbleiben, Sie lassen es zu, dass Ihre Immobilie verrottet und immense Folgeschäden auftreten, ...".
Ich vergebe hier die Note . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . +6
(4a) Die Kaltwasserzähler: Im .....
(5a) Jetzt zu unserer Heizung: .....
Möglicherweise eine Erklärung des Systems? Oder was ist ein Anreiz?

Im kommunistischen Polen wurde bei der Ablieferung einer toten Ratte auf dem Rathaus Geld bezahlt. Das sollte ein Anreiz sein, die Rattenplage zu bekämpfen. Hat sehr gut funktioniert. In Polen wurden Ratten dann in Farmen gezüchtet, jeder der einen kleinen Garten hatte oder auch nur einen Keller, züchtete Ratten. Sehr praktisch war dabei, dass Brot im Kommunismus hoch subventioniert und deshalb sehr billig war. Dieser volkswirtschaftliche Schwachsinn verschwand erst mit dem Ende des Kommunismus.

Werner Otto, der Erfinder (und Gründer) des Otto-Versand, ist Ende 2011 im Alter von 102 Jahren gestorben. Der Otto-Versand ist nach Amazon der zweitgrößte Versender weltweit. Im Rückblick auf sein Leben erzählt man von seinen Fehlern: die von ihm erfundenen Sammelbesteller wurden nicht auf Provisionsbasis bezahlt. Das war gegen seine Kaufmannsehre, sondern sie erhielten eine überaus großzügig bemessene Aufwandspauschale. Trotzdem bestellten „seine" Otto-Versand-Sammelbesteller bei seinem größten Konkurrenten, bei Quelle, da sie da eine Provision bekamen. Werner Otto musste dann, Kaufmannsehre hin oder her, auch auf Provisionen umschwenken, seine Firma ist dabei nur knapp am Konkurs vorbei geschrammt.

Wenn Sie im Kaufhaus einkaufen, zum Beispiel beim Breuninger, schleppt die Verkäuferin die Einkaufstüte bis zur Kasse und verabschiedet sich dann von Ihnen. Diese Verkäuferin ist nicht gut geschult, nein. Sie ist auch nicht zu Ihnen freundlich, nein. Sie kümmert sich an der Kasse nur um ihre eigene Provision.

Was bedeutet das System für uns Wohnungseigentümer?

Wenn Sie die Jahresabrechnung Ihrer Eigentumswohnung von Ihrer Hausverwaltung erhalten, und die einzelnen Posten nach und nach durchgehen, ist die Frage nicht, bei welcher Position sind „Rückflüsse" geflossen, sondern eher, bei welcher Position sind „keine" Rückflüsse geflossen. Ich bin sicher, es sind sehr wenig Positionen zu finden, bei denen keine Rückflüsse geflossen sind. Bei Wasser, Abwasser und der Grundsteuer ist das der Fall. Den Lieferanten für Wasser und Abwasser kann man nicht wechseln. Das Finanzamt auch nicht.

Heizöllieferung, Gasversorger, Stromversorger, Heizkostenabrechnung, Heizungsservice, Handwerker (diese ganz besonders), Versicherungen, TÜV-Prüfungen, ....., alle sind Kandidaten für Rückflüsse. Verschließen Sie bitte nicht Ihre Augen.

Ich habe eine Abrechnung verlegt, ich brauche sie aber für meine Steuererklärung. Ich schicke ein Mail an die Hausverwaltung. Nichts. Nach einer Woche reklamiere ich telefonisch. Mails würden nicht täglich gelesen..., wieder nichts. Nach einer weiteren Woche reklamiere ich erneut, mache Druck. Endlich, nach vier Wochen erhalte ich die Unterlagen. Der Schornsteinfeger war da, ich als Verwaltungsbeirat benötige den Bericht. Wann kommt der? Nach mehr als einem Monat. Warum arbeitet meine Hausverwaltung so schwerfällig und langsam? Wenn aber ein Angebot verlangt wird, ist dieses in maximal drei Tagen da! Warum? Das System der Anreize?

Diese finanziellen Anreize sind so stark, dass sie den Hausverwaltungen gewaltig den Kopf vernebeln. Das komplette Tagesgeschäft der Hausverwaltung, ist nur noch auf diese Anreize abgestimmt. Angebote ja!. Aufträge ja! Alles andere ist nur unnötige Zeitverschwendung. Auf der anderen Seite steigt die Habgier. Und das, obwohl die Hausverwaltung ja weiß, dass ich diese Dinge verstehe und auf diese Dinge achte.

Schauen wir doch über unseren Tellerrand hinaus:
Haus & Grund, der Mieterverein, die Verbraucherzentralen, was ist mit denen?
In meiner Jahresabrechnung stinken die „Rückflüsse" gewaltig gegen den Himmel, aber zum Beispiel beim Mieterverein ist das Thema ausgespart. Der Mieterverein, der sich nicht zu schade ist, im Nachmittagsprogramm bei den privaten Fernsehanstalten, Beiträge zu installieren, die ungeschminkte Werbung für den Mieterverein machen. Dieser Mieterverein, der, wenn er ein winziges Thema findet, was in seinen Kampagne passt, ein Riesengeschrei anzettelt, bei dem sind „Rückflüsse" nicht vorhanden.
Gar nicht. Überhaupt kein Thema. Gibt es nicht.

Neue These: Wird der Mieterverein von der Immobilienwirtschaft „gesponsert"?
Ja oder nein? Vergeben Sie hier bitte eine Note von -6 bis +6.
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