Warum ist es so leicht, in Eigentümerversammlungen die Anwesenden zu einem Ja zu bewegen. Und warum bemerken Eigentümer erst nach der Versammlung, dass eigentlich Nein die richtigere Antwort gewesen wäre?
Forscher, die sich mit unserem Gehirn beschäftigen, geben hier eine klare Antwort:
Unser Gehirn ist für ein Ja besser programmiert und wir sagen viel zu häufig Ja, selbst wenn wir vom Nein als richtige Antwort überzeugt sind. Es ist wie ein Teufelskreis, je mehr wir in unserem Leben bereits Ja gesagt haben, desto weniger werden wir ein Nein an der richtigen Stelle sagen.
Die Macht der Gewohnheit, auch bei unpassenden Gelegenheiten zuzustimmen, gräbt sich tief in die dafür zuständigen Gehirnstränge ein. Schließlich wird der Nervenstrang der Ja-Straße zu einer breiten Autobahn, während sich die Ablehnung durch ein Nadelöhr zwängen muss.
Warum entwickeln wir uns also im Laufe der Jahre zu Ja-Sagern. Der erschreckte Blick unseres Gegenübers auf ein Nein lässt uns an unserem Sozialverhalten zweifeln.
Als Kind haben wir bereits erlebt, dass unser Ja bei den Eltern zufriedene Mienen auslöst und ein Nein erheblichen Ärger und Stress bringen kann, wenn z.B. von uns eine Leistung erwartet wurde. Das prägt unsere Erfahrungen.
Ein klares Nein muss man auf Nachfrage zudem begründen und dazu muss man sich anstrengen, also mehr Kraft aufwenden, wogegen mit der Zustimmung die Sache erledigt ist, weil unser Gegenüber das erreicht hat, was er haben wollte.
Was sind aber die Folgen?
Ja-Sager werden bald bemerken, dass sie wegen Ihrer Dauerzustimmungen und Hilfsbereitschaft bei jeder Gelegenheit nicht mehr geschätzt werden als die Neinsager. Genau das Gegenteil ist der Fall. Aufmerksamkeit erfährt der willensstarke Neinsager. Ihm wird Anerkennung gezollt, weil er eher durchzusetzen versteht, was er will und dafür Argumente vorbereitet hat. Das ist noch ein echter Mann oder eine Frau, die weiß, was sie will, heißt es dann sofort. Und solche Personen schätzt man.
Der Ja-Sager mit seiner Zustimmung zu allem und jedem bürdet sich zwangsläufig immer mehr auf (mehr Arbeit, mehr Termine, weniger eigene Freizeit, mehr Geldausgaben) und bei ihm werden deshalb zwangsläufig Stressgefühle und Unzufriedenheit in seinem Leben aufkommen. Die innerliche Aggression deswegen verdichtet sich und wird sich irgendwann entladen - entweder durch Krankheit oder verbale Explosionen, die niemand verstehen wird.
„Der spinnt doch jetzt!“, wird es heißen, wenn der „ewig Nette“ sich in einer konträren Weise zu bisher darstellt.
Üben Sie deshalb mehr Nein zu sagen!
Warum soll der Verwalter entlastet werden. Was haben Sie davon. Also Nein!
Der Verwalter und die Beiräte legen in der Versammlung keine Angebote für die Instandhaltung vor und wollen trotzdem einen Beschluss über eine Geldausgabe aufgrund einer Schätzung. Sagen Sie bestimmt:
„Nein. Das kommt so überhaupt nicht in Frage und ich werde den Beschluss sofort anfechten, da es hier bereits ein Musterurteil gibt, das Ihr Vorgehen untersagt.
Also wagen Sie es nicht, hier die Eigentümer zu einer Zustimmung zu verführen.“
Das sitzt und schafft Respekt.
Machen Sie aber nicht den Fehler und gehen Sie dann nicht vor Gericht, wenn der Verwalter wieder wie üblich eine Mehrheit von Ja-Sagern gefunden hat.
Dann müssen Sie Kraft und Rückgrat zeigen und Ihrer Ankündigung die Tat folgen lassen. Denn noch schlimmer als die ewigen Ja-Sager sind die Sprücheklopper, bei denen den großen Worten und Vorhaben die Taten nicht folgen.

In diesem Sinne auf zur nächsten Eigentümerversammlung.
Ihr Norbert Deul
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